palästina Fahrplan nach JerusalemSeite 5/5

Jenseits des Atlantiks sehen dies nicht alle mit ungetrübter Freude. Nachdem mit Saddam Hussein eine Gefahr für Israel verschwunden ist, wollen die Strammsten unter Washingtons Konservativen das nächste Hindernis auf dem Weg zu ihrer Art von Nahost-Frieden abräumen: Außenminister Powell und seine allzu weiche Palästina-Politik. Es geht ihnen ums Ganze und damit um die Frage, ob Israel wirklich Zugeständnisse machen muss. Dies sei die „schlimmste Versuchung“, schreibt der neokonservative Weekly Standard, „der widerstanden werden muss“. Die neo-cons wollen alles verhindern, was Israel, den „Brückenkopf der Demokratie im Nahen Osten“, zu einem aufgezwungenen Kompromiss nötigen könnte. Dazu zählen auch Colin Powell und sein Prinzip, der „Fahrplan“ sei nicht verhandelbar und nur insgesamt zu akzeptieren. Kaum war dieser Satz ausgesprochen, begann die Lobby-Arbeit im Weißen Haus – bis schließlich der Präsidentensprecher vor die Kamera trat und sagte, Anregungen von Israelis und Palästinensern seien selbstverständlich willkommen.

Wichtigstes Ziel der Neokonservativen ist es, Zeit zu gewinnen. Denn wenn in Amerika erst der Wahlkampf tobt – der Vorwahlkampf beginnt schon im Herbst – sind George W. Bush die Hände gebunden. „Seine Basis ist derart proisraelisch“, schreibt der Philadelphia Enquirer, „dass ihn jegliche Störung seines Verhältnisses zu Premier Scharon mehr kosten könnte, als er im Vorfeld der Wahl zu zahlen bereit wäre.“

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Scheitert der „Fahrplan“ am Ende an Amerika? Das hängt ganz vom Präsidenten ab. Er ist der große Joker im Spiel. Wenig spricht dafür, dass er eine Marionette der neo-cons ist; gerade in der Palästina-Frage hat sich George Bush immer wieder als Freidenker gezeigt. Wäre das Weiße Haus, wie manche Verschwörungstheoretiker gern behaupten, von einer proisraelischen Lobby gekapert, gäbe es die Roadmap nicht. Und George W. wäre nicht die große Hoffnung, die in seltener Eintracht alle Friedenswilligen beflügelt. Bei den Israelis ohnehin – aber inzwischen sogar auch bei einigen Palästinensern. Sie nennen ihn „Habibi“, den guten Freund.

 
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