Die Aufgeregtheit war groß, als IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel und IG-Metall-Vize Jürgen Peters Gewerkschafter aufforderten, sich aktiv am SPD-Mitgliedsbegehren gegen Gerhard Schröders Agenda 2010 zu beteiligen. Der Kanzler fauchte, und auch beim Deutschen Gewerkschaftsbund in Berlin war man nicht sonderlich glücklich.

Inzwischen haben Peters und Wiesehügel einen Rückzieher gemacht. Geholfen hat dabei womöglich ein Brief, den IG-Metall-Chef Klaus Zwickel an seinen Kollegen bei der IG Bau formulierte. Nicht nur, schreibt Zwickel unter dem Datum 22. April, halte er Mitgliederbefragungen für "politisch sehr problematisch" und ein "populistisches Instrument", das Einfluss nur vortäusche. Es wundere ihn auch, dass Wiesehügel das Begehren offiziell als Vorsitzender der Baugewerkschaft unterstütze. "Wie würden die IG Bau und du als Vorsitzender reagieren", fragt Zwickel, "wenn der SPD-Vorsitzende die Gewerkschaftsmitglieder bei einer wichtigen Entscheidung auffordern würde, eine Mitgliederbefragung voranzustellen, ehe der Gewerkschaftsvorstand beschließt?" Zwickels Antwort: "Wir würden zu Recht eine solche Einmischung empört zurückweisen."

Ob Zwickel auch seinem designierten Nachfolger Peters geschrieben hat, ist nicht bekannt. Inhaltlich sind sich die Funktionäre ohnehin einig - das Kanzler-Programm wird abgelehnt. Am Montag schrieb Zwickel einen weiteren Brief, dieses Mal an die Bundestagsabgeordneten von SPD und Grünen. Seine Forderung: "Änderungen" und "Ergänzungen" der Agenda 2010.