Herbert Riehl-Heyse, seit drei Jahrzehnten Reporter und Kolumnist der Süddeutschen Zeitung, ist am vorigen Mittwoch gestorben. Für die Kollegen und Freunde (und Freunde hatte er so viele wie Leser) geht eine publizistische Stimme verloren, die nicht zu ersetzen sein wird. Er war von Haus aus Jurist, und ein ausgeprägtes Gefühl für Gerechtigkeit prägte seine journalistische Arbeit. Bisweilen musste er den leisen Spott ertragen, eine Art Heimatjournalist zu sein - soll heißen, dass er sein Bayern liebte, die liberale Art, die noch in der Lebenslust eines Franz Josef Strauß durchschien und die, was er sonst kritisierte, bisweilen auch außerhalb der Grenzen des politisch Statthaften im Binnenleben der für immer regierenden Bayerischen Staatspartei zu verspüren war. Herbert Riehl-Heyse begann seine journalistische Laufbahn beim Münchner Merkur zu einer Zeit, da Volontäre noch verpflichtet waren, eine gute Story aus dem Bahnhofsmilieu dem schockierten Publikum vorzuführen. Sein eleganter, niemals eingebildeter Schreibstil, seine Ironie, aber auch seine Fähigkeit, sich selbst weniger ernst als seine Sujets zu nehmen, zeichneten ihn aus. Als er Chefredakteur des stern wurde, hielt es ihn nur wenige Wochen im, wie er sagte, "Haifischbecken" der Illustrierten. Er kündigte und nahm den Zug zurück nach München zu seiner geliebten Süddeutschen. Mit ihrem Aufstieg zu einer im ganzen Lande geschätzten Tageszeitung hatte er mehr zu tun, als die Controller, die das Blatt derzeit auf Sparmöglichkeiten durchleuchten, jemals verstehen werden.