Auf einem Militärflugplatz in Nordkorea setzt eine Transportmaschine zur Landung an, eine C-130, gebaut vom US-Konzern Lockheed Martin. Sie kommt aus Pakistan. Nordkoreanische Soldaten beladen das Flugzeug mit Kisten, in denen Bauelemente der Rakete No-dong lagern. Sie ist ein Exportschlager der sechstgrößten Raketenmacht der Welt, Nordkorea. Die Fracht ist Teil eines höchst gefährlichen Bartergeschäfts, also Ware gegen Ware. Für die Raketen hat Pakistan Teile von Gaszentrifugen zur Urananreicherung geliefert. Das Geschäft lief schon vor Jahren an. Doch die C-130 wurde erst im vergangenen Juli von amerikanischen Geheimdiensten geortet. Die besondere Pointe: Das Lockheed-Flugzeug gehörte zu jener amerikanischen Rüstungslieferung, die für die Jagd auf Al-Qaida-Terroristen bestimmt war.

Heute steht fest, dass die Nordkoreaner ihr Atomprogramm mit hoch angereichertem Uran schon in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre starteten. Damit verstießen sie gegen das Genfer Rahmenabkommen von 1994 mit den USA, demzufolge Nordkorea alle Nuklearprogramme aufgeben wollte. Vielleicht misstraute Kim Jong Il (mit einer gewisser Berechtigung) den von Washington versprochenen Gegenleistungen.

Die Urananreicherung stellt hohe technische Anforderungen. Es ist noch nicht erwiesen, ob Nordkorea diese so schnell vollständig hat erfüllen können. Wenn doch, dann könnte das Land bis zum Ende dieses Jahrzehnts annährend 30 nukleare Sprengköpfe herstellen. Luftschläge gegen Urananreicherungsanlagen sind praktisch undurchführbar. Die Verfahrenstechnik erlaubt eine Mobilität, für die Nordkorea mit seinen unterirdischen Hallen gut gerüstet ist.

Die Atomwaffen, die Pjöngjang jetzt angeblich schon besitzt, wären dann allerdings älteren Datums. Sie würden aus dem – 1994 gemäß dem Genfer Abkommen eingefrorenen – 5-Megawatt-Testbrüter stammen. Aus seinen wiederaufbereiteten Brennstäben hat Nordkorea mit großer Wahrscheinlichkeit schon vor 1994 waffenfähiges Plutonium gewonnen. Bereits Anfang der neunziger Jahre ging die CIA davon aus, dass Pjöngjang über "ein bis zwei" Atomwaffen verfüge. Ob sie für einen Raketeneinsatz überhaupt schon brauchbar wären, steht dahin.

Von oben besehen, erscheint Yongbyon, rund hundert Kilometer von Pjöngjang entfernt, wie eine Frühlingsidylle. Stadt, Land, Fluss, Wiesen, Hügel. Alles harmlos. Nur nicht für die Spezialkameras der Spionageflugzeuge. Seit Ende vergangenen Jahres gehört das Stillleben um den kleinen Reaktor zu den am schärfsten kontrollierten Punkten der Erde. Maschinen vom Typ Constant Phoenix WC-135 W "schnüffeln" nach Gasen, die auf eine Wiederaufbereitung von Plutonium schließen ließen. Bisher ist der Befund negativ, obwohl die Machthaber in Pjöngjang in den vergangenen Wochen schon mehrmals den Beginn der Wiederaufbereitung angekündigt haben. Aus den 8000 gebrauchten Brennstäben, die in dem Forschungsreaktor lagern, ließe sich in sechs bis neun Monaten Material für ein halbes Dutzend Atombomben gewinnen.

Anfang dieser Woche hat Pjöngjang nach südkoreanischen Zeitungsberichten angeboten, eventuell sein gesamtes nukleares Material zu verschrotten. US-Außenminister Colin Powell bestätigte am Montagabend diese Initiative. Die große Wende? Nordkoreas Machtbaber waren bislang Meister im Zünden von Nebelkerzen.