Natürlich ist sie unschuldig, und natürlich wurde sie wieder einmal das Opfer der immer währenden Rassenjustiz. Denn die Richter sind Weiße, Buren, und sie erfrechten sich, die schwarze Lichtgestalt im Kampf gegen die Apartheid wie eine gemeine Verbrecherin zu verurteilen: fünf Jahre Haft für Winnie Madikizela-Mandela. Der Exfrau von Nelson Mandela wurden 68 Fälle von Diebstahl und Betrug nachgewiesen. Als Präsidentin der Frauenliga des regierenden African National Congress (ANC) hatte sie Bankkredite für Dritte aufgenommen und das Geld selbst eingesteckt.

Das Strafregister von Madikizela-Mandela wird immer länger. 1991 wurde sie zu sechs Jahren Gefängnis wegen Entführung und Beihilfe zum Mord verurteilt, kam aber mit einer Geldstrafe davon. Unterdessen ist die Ikone des Widerstands zu einer korrupten, luxusgierigen Abzockerin degeneriert. Ihrem legendären Ruf hat das kaum geschadet - in den Townships wird die ANC-Abgeordnete wie ein weiblicher Robin Hood verehrt. Sie kämpft für die Sache der Armen - und bereichert sich dabei schamlos selbst. Aber die Regierung und die eigenen Parteigenossen schweigen, weil sie ihre demagogische Macht fürchten.

African Queen? Im Volk bleibt Winnie eine Königin, vor dem Gesetz ist sie eine Kriminelle. Aber vermutlich wird sie wieder keinen Tag dort verbringen, wo sie längst sein müsste: im Gefängnis.