In Coney Island, am Strand von New York, gibt es den berühmten Vergnügungspark mit der berühmten Achterbahn. Sie haben da ein neues Spiel, direkt neben Nathan’s, dem Laden, wo angeblich der Hot Dog erfunden wurde. Es heißt Shoot the Freak, "Erschieß den Freak".

Der Freak ist ein Typ in Motorradklamotten, der in einem verwilderten Garten herumläuft. In dem Garten stehen ein vergammelter Sessel, ein Sonnenschirm, ein Stapel mit leeren Kisten, ein paar alte Paletten und ein bunt angemaltes Originalgerippe. Man selbst steht an einer brusthohen Mauer und bekommt ein Gewehr. Damit darf man auf den Freak schießen. Vorher setzt der sich einen Helm auf. Aus dem Gewehr kommen Plastikkugeln heraus, ungefähr so groß wie Erbsen. Der Freak rennt panisch herum und versucht, sich hinter den Kisten zu verstecken. Wenn eine Kugel den Freak trifft, taumelt er kurz und gibt röchelnde Geräusche von sich, aber das ist wahrscheinlich Show.

Ein Ansager mit blonden Strähnchen macht Werbung. "Es ist neu, es ist aufregend, es ist Fun. Sie schießen auf ein echtes lebendes Ziel. Nur bei uns. Fünf Schuss, zwei Dollar."

Das Spiel kommt nicht gut an. Die Leute machen aber keine Bemerkungen kulturkritischer oder philantropischer Art, wie es in Europa oder Tübingen vermutlich der Fall wäre, nein, sie kucken nur, schütteln den Kopf oder grinsen und gehen weiter. In der einen Stunde, die wir, randvoll mit interesselosem Wohlgefallen, am Strand saßen, haben lediglich zwei Leute den Freak erschossen, darunter ein Polizist, der umsonst durfte und hinterher halb ironisch sagte: "Video ist besser."

In allen Restaurants von New York hängt ein Plakat mit Verhaltensregeln für den Fall, dass jemandem eine Gräte oder ein Knochen im Hals stecken bleibt. Auf dem Plakat ist ein abgenagter Fisch zu sehen, in Blau. Man erfährt, dass die Person in Rückenlage zu bringen ist. Wenn die Gräte entfernt wurde und der Gurgelschmerz trotzdem nicht nachlässt, sollte man einen Arzt aufsuchen. Nur zur Sicherheit.

Dann sind wir zur Freiheitsstatue gefahren. Das Innere der Freiheitsstatue und der Sockel sind für das Publikum für unbegrenzte Zeit geschlossen, man darf nur auf der Insel herumlaufen. Weil die Statue ein so wichtiges Symbol ist, wird ein Terroranschlag befürchtet. Vor dem Betreten der Fähre müssen die Besucher ihre Gürtel ausziehen, und ein Spezialist untersucht den Gürtel.

Auf der Insel lief ein dicker Ranger herum, der Vorträge für Kinder hielt. "Wie viele Strahlen hat die Krone der Freiheitsstatue? Sieben. Warum? Weil die Welt sieben Meere hat und sieben Kontinente. Weil die Worte liberty und freedom und justice und America alle sieben Buchstaben haben. Deshalb." Die Mütter hatten meistens superlange Fingernägel. Das ist dort zurzeit populär. Es sind künstliche Krallen von ungefähr drei bis fünf Zentimeter Länge, die wie Spoiler auf die natürlichen Fingernägel draufgeschweißt werden. Die Fingerspoiler haben auffällige Muster oder Leuchtfarben, und auf Metall machen sie klack, klack.