Eine seiner Tafeln Schokolade kostet 5,55 Euro. Keine Riesentafel, sondern eine ganz normale 100-Gramm-Packung. Sie heißt weder "Vollmilch-Mandel" noch "Ganze Nuss", sondern "Kuba" – und besteht zu drei Vierteln aus reinem Kakao. Axel Leysieffer hat noch mehr im Programm: Schokolade mit Chili zum Beispiel. Oder mit Salz. Und demnächst auch mit Rosenöl.

Das Geschäftsmodell des Pralinenmachers aus Osnabrück unterscheidet sich in vielem von dem, was auf dem deutschen Süßwarenmarkt gängige Praxis ist. Künstliche Aromastoffe hat Konditormeister Leysieffer aus seiner Backstube verbannt, statt Margarine kommt Butter in den Topf. Weil gute Zutaten nicht billig zu beschaffen sind, macht Leysieffer beim Preiswettbewerb, der den Einzelhandel seit vielen Jahren beherrscht, erst gar nicht mit. Erfolg.

Der Schokoladenmarkt bewegt sich zurzeit in zwei Richtungen: Hohe Qualität zu hohen Preisen verkauft sich gut, ebenso die Massenware der Lebensmittel-Discounter. Die Umsätze der Supermärkte mit ihren eigenen Handelsmarken ist von Januar bis November 2002 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zehn Prozent gestiegen.

Das Geschäft der Schokobranche insgesamt ist dagegen um 1,5 Prozent zurückgegangen, berichtet das Marktforschungsinstitut AC Nielsen. Verlierer ist vor allem das Naschwerk in der mittleren Preisklasse. Zu leiden habe beispielsweise die bekannte Sorte Milka des Herstellers Kraft Foods, berichtet Franz-Josef Lange von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung. "Viele Markenartikler, die nicht beim Discounter vertreten sind, haben vergangenes Jahr kräftig Marktanteile verloren", sagt er.

Pralinenmacher Leysieffer dagegen steigert seinen Umsatz kontinuierlich. Im vergangenen Jahr hat er mit 21,5 Millionen Euro etwa fünf Prozent mehr umgesetzt als im Jahr davor. "Unsere neuen Schokoladen sind dermaßen eingeschlagen, dass wir von Januar bis März samstags arbeiten mussten", sagt der Firmenchef. "Das hat es seit dem Krieg nicht mehr gegeben."

Seine interne Hitliste hat die starke Nachfrage nach teuren und exotischen Schokoladen komplett durcheinander gebracht. "Vollmilch-Haselnuss war Jahre lang unser Verkaufsschlager", sagt Leysieffer. Jetzt ist die Sorte auf Platz vier abgesackt. Die meistverkaufte Schokolade des Hauses ist nun orangefarben, scharf und erst auf den zweiten Blick als Schokolade zu identifizieren: die Chili-Tafel. Leysieffer hatte sogar einmal vorgehabt, Süßwaren mit Hanf herzustellen, aber daraus wurde nichts. Manche aus dem Schoko-Business nennen ihn wegen seiner abseitigen Ideen einen "Spinner".

Rund 3000 verschiedene Pralinen und Schokoladen werden im Osnabrücker Werk in Handarbeit gefertigt, verkauft werden sie in mehr als 700 Geschäften in ganz Europa. Neben den 30 eigenen Läden und Bistros zwischen Westerland auf Sylt und Kitzbühel in Tirol gehören Fachgeschäfte und Warenhäuser zum Vertriebsnetz.

Besonders stolz ist Leysieffer auf seine dunkle, bittere "Jahrgangsschokolade" von 1998 – mit 99 Prozent Kakaoanteil. "Durch Zufall habe ich entdeckt, dass hochprozentige Schokolade ihren Geschmack durch Lagerung verfeinert. Bei entsprechender Aufbewahrung hält sie mindestens zehn Jahre", sagt Leysieffer.