Der Text der Anzeigentafel am äußersten Ende der Startbahn klingt nach einem erfolgreich abgeschlossenen Bauvorhaben. Tatsächlich aber ist es eine Bankrotterklärung. "Airport Cochstedt: Dieses Vorhaben wurde von der Europäischen Gemeinschaft kofinanziert. Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung". Tatsächlich ist Cochstedt eine Investitionsruine, eine von vielen in der unglaublichen Geschichte der "Flughafenförderung Ost".

Dreistellige Millionensummen haben etwa die Landesregierungen von Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen Jahren ausgegeben, um vormals russische Militäranlagen zu regionalen Flughäfen umzubauen. Ohne klare Konzepte, aber dafür mit hehren Zielen: Der Ausbau sollte die "wirtschaftliche Entwicklung benachteiligter Regionen" beschleunigen, verlautet aus den Regierungen noch heute. Jetzt warten mitten im Nirgendwo Landebahnen auf den Anflug von Flugzeugen.

In Cochstedt rostet als einzige Maschine weit und breit eine ziemlich betagte, winzige Propellermaschine im provisorischen Unterstand vor sich hin.

Ein einsamer, halb abgerissener Windsack schaukelt müde im Wind. Dabei könnte hier problemlos jeder Jumbo landen. Neueste Instrumente zur Landeanflugkontrolle lagern im wuchtigen Tower-Neubau. Auch in der 3000-Meter-Landebahn steckt modernste Beleuchtungstechnik. Doch seit dem Umbau zum zivilen Flughafen von 1997 an hat der Exmilitärplatz kaum Passagiere gesehen. Mittlerweile ist der Betrieb eingestellt, der Flughafen ist pleite.

Anfangs hielt auch Ex-SPD-Ministerpräsident Höppner den Umbau des Militärflugplatzes Cochstedt für eine "Spinnerei von ein paar Leuten". Ein Jahr später, 1995, stand für ihn fest: "Da wollen wir ran." Land und Landkreis und planten ein "Gewerbegebiet mit Landebahn", dessen "einmalige Standortvorteile für ausländische Investoren" sie besonders priesen. Von 2000 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2003 ging die Regierung aus. "Deshalb", so erklärte sie 1998, "wird der Standort mit rund 42 Millionen Euro Investitionszuschuss gefördert." Seit 1994 flossen rund 80 Prozent aller öffentlichen Landesfördermittel in den Ausbau des Frachtflughafens.

Fördermittel sind verschwunden

Doch Cochstedt geriet zum Desaster, das insgesamt 60 Millionen Euro verschlang: Keiner der avisierten Investoren siedelte sich an. Über die Gründe dafür lägen "keine originären Erkenntnisse der Regierung vor", heißt es heute. Weil mit den Investoren aber auch Fördergelder verschwanden, erhob das Landesförderinstitut inzwischen Anklage wegen Subventionsbetruges. Die 53 Arbeitsplätze am Flughafen fielen 2001 der Insolvenz zum Opfer.