CDU-Chefin Angela Merkel war am vergangenen Sonntag Gast der 8. ZEIT-Matinee in den Hamburger Kammerspielen. Mit ihr sprachen die beiden Chefredakteure Josef Joffe und Michael Naumann…

…über ihre Vergangenheit: "Das Leben in der früheren DDR war sehr viel komplexer, als es über die Medien im Westen wahrgenommen werden konnte. Ich werde nach 13 Jahren manchmal richtig wütend, wenn immer wieder gefragt wird, ob ich wirklich verstanden habe, was Freiheit und was Demokratie ist. Wer 35 Jahre lang keine Freiheit kannte und sie vermisst hat, hat ein mindestens so gutes Gespür dafür wie die, die sie immer hatten."

…über Gerhard Schröder: "Ich finde es schon bemerkenswert, wie manchmal über den jetzigen Bundeskanzler gesprochen wird. Ihm zu unterstellen, er hätte, außer mal am Kanzlertor gerüttelt zu haben, nichts in der Birne, ist doch ein merkwürdiges Selbstzeugnis, das sich der Wähler, der mit Mehrheit eine Entscheidung getroffen hat, damit ausstellt."

…über Deutschland im Irak-Konflikt: "Manchmal kam mir das Verhalten von Deutschland ein bisschen so vor wie bei pubertären Jugendlichen: Man bildet sich ein, man hat ganz viel Kraft – und zum Schluss muss man feststellen, dass man diese Kraft nicht hat, um sein Ziel zu erreichen. Vielleicht sollte Deutschland einen Weg finden, der eine Mischung ist aus französischer Selbsteinschätzung und englischer Ergebenheit gegenüber den Amerikanern. Diese Rolle haben wir in diesem Konflikt nicht ausreichend gefunden."