Gartenshow in Rostock, Frühlingsgefühle bis über beide Ohren, erste Gänseblümchen im Park - bei solcher Wetterlage empfiehlt sich Lektüre über Grünes. Visionäres sprießt, so in dem Band - Marcel Kalberer/Micky Remann: Grüne Kathedralen. Die weltweite Wirkung wachsender Weiden - AT Verlag, Aarau/München 2003 - 127 S., 26,90 e. Wie braune Stöcker zu riesigen Bögen gesteckt werden und dann ausschlagen und sich in durchwehte Märchenpaläste verwandeln oder in Hängebrücken, Glockentürme, sogar Stadthallen, das bestaunte man schon in Bremerhaven, Pfullendorf, tatsächlich auch in Lörrach.

Architektur, die mit den Jahreszeiten wächst und gilbt und doch sich selbst erneuert. Radikaler Nichtbau! So erklärt es das Vorwort, und auf den letzten Seiten wachsen schon Baumstädte himmelwärts wie Träume. "In jedem 10. Stock befinden sich Speicherräume für Düngemittel ..." Unglaublich? So sind auch die Geschichten, die uns die englische Gartendiva Anna Pavord erzählt: Die Tulpe.

Eine Kulturgeschichte - aus dem Englischen von Sven Dörper/Thomas Wollermann - Insel Verlag, Frankfurt a. M. 2003 - 285 S., 15,- e. Leidenschaft ist ein zu mildes Wort, um die Gefühle zu beschreiben, die Gartenliebhaber über die Jahrhunderte gegenüber den kleinen braunen Zwiebeln hegten - und die sie verführten, ihnen alle Gedanken, Verpflichtungen, Erarbeitetes zu opfern. Zur Pflanzung von 10 000 Narzissen haben sich zwei Herren am Niederrhein hinreißen lassen, der Anblick kann Schwindel erregen: Manfred Lucenz/Klaus Bender: Ein Garten fürs Leben - Fotografien von Jürgen Becker - DuMont monte Verlag, Köln 2003 - 160 S., 29,90 e. Wie es dazu kam, warum sie auch der Iris nicht widerstehen konnten, noch kübelweise Lilien pflanzten, Gemüse dazu, das erzählt ihr Buch anschaulich und kenntnisreich. Eine Plauderei dagegen die Erzählung des Schweizer Kameramannes Michael Bindlechner: Edelprinzner Gärtnerjahr. Tagebuch einer Auszeit - Verlag Christian Brandstätter, Wien 2003 - 160 S., 36,- e. Ein Schreiben, das aus der genauen Beobachtung wächst, das Wetter registriert, den Lichteinfall, Rezepte so sorgsam wie Gefühle notiert, für Leser ist dieses Tagebuch ein veritables Pausenbuch. Bleibt noch ein Augenblick für das Wichtigste, wie unsere Managementkultur es gern formuliert, für James Fenton: Ein Garten aus hundert Samentütchen - aus dem Englischen von Friederike Barkow - Argon Verlag, Berlin 2003 - 128 S., 12,90 e.

Tropolaeolum oder einfach Kornblumen, Kresse auf feuchtem Waschlappen oder Prachtwinde bis zur Dachrinne? Ein Heer von Sonnenblumen oder doch butterweiße Eschscholtzia? Solche Fragen müssen jetzt entschieden werden, sollen die Antworten rechtzeitig ausgesät, pikiert, in Beete verpflanzt werden und aus dem Garten noch in diesem Jahr ein Abenteuer machen. Der Dichter James Fenton, einst Professor für Poesie in Oxford, hat ein Feuilleton der Gartenkunst geschrieben, die bekanntlich darin besteht, Ideen in Schönheit zu verwandeln, und geradezu schmerzlich von denen gesucht wird, die um die Vergänglichkeit wissen.

Hinweis

In der ZEIT Nr. 17/03 haben wir es leider versäumt, den Übersetzer des Buches von Amos Elon Zu einer anderen Zeit zu nennen. Matthias Fienbork hat es aus dem Englischen übertragen.