Sie heißen Expedia, Travelocity, Opodo oder Ebookers, und allein im vergangenen Jahr steigerte sich ihr Geschäft mit Online-Reisebuchungen in Europa um gut 40 Prozent. 2003 wird der Zuwachs nach Schätzungen der Internet-Forschungsagentur Forrester noch einmal 50 Prozent betragen. Nach eigenen Angaben machen sie europaweit zusammen einen Jahresumsatz von gut sieben Milliarden Euro – Tendenz steigend. Christian Boergen, Pressesprecher des Verbands Deutscher Reisebüros und Reiseveranstalter (DRV), bemängelt allerdings: "Gesicherte Teilnehmer-, Buchungs- oder Umsatzzahlen, die eindeutige Rückschlüsse auf das Internet-Geschäft zulassen würden, geben die Unternehmen aus Wettbewerbsgründen nicht bekannt."

Nach Meinung der Agentur Forrester ist das rasante Wachstum der Branche vor allem auf die aktuelle Marktschwäche im Tourismus und ein geändertes Buchungsverhalten der Urlauber zurückzuführen. Die meisten Reisewilligen schieben die Planung lange vor sich her und werden dann schließlich zu Last-Minute-Buchern: "Anbieter versuchen, zögernde Kunden mit Schnäppchen zu locken – und es gibt kein besseres Medium, sich über Schnäppchen zu informieren, als das Internet".

In Deutschland bemühen sich rund 75 Online-Reiseanbieter um die Gunst von 9,8 Millionen Internet-Nutzern. Obwohl die tatsächliche Online-Buchungsrate weitaus niedriger liegt, als die Zahl der User von Reise-Links nahe legt, dürfte der Internet-Vertrieb am deutschen Reisemarkt nach aktuellen Erhebungen inzwischen einen Marktanteil von zwei bis vier Prozent erreicht haben. Experten wie der dänische Reiseindustrieforscher Carl H. Macussen rechnen zudem mit einem rapiden Wachstum auf bis zu 20 Prozent bis zum Jahr 2007.

Nach wie vor machen Last-Minute-Reisen und Billigflugangebote den Löwenanteil der Buchungen im Netz aus. Neue, für das Internet maßgeschneiderte Produkte sollen jedoch weltweit den Vormarsch des Online-Verkaufs beflügeln. "Dynamic Packaging" heißt das jüngste Rezept, mit dem sich die Unternehmen satte Zuwächse sichern wollen. Vermehrt bieten Firmen wie Expedia, Opodo oder L’Tur Reisen mit frei kombinierbaren Einzelbausteinen aus Flug, Transfer, Hotels mit verschiedenen Zimmerkategorien, Autovermietung und sogar Ausflugsangeboten an. Damit gehen sie in direkte Konkurrenz zu den herkömmlichen Pauschalreiseveranstaltern. Zwar können auch klassische Anbieter solche Pakete liefern, aber "immer mehr Kunden stellen sich ihren Urlaub nach Maß in Ruhe daheim zusammen, weil die Informationen im Internet zusehends besser werden", sagt L’Tur-Vorstand Markus Orth.

In der Tat verlangen die Internet-Angebote dem Urlaubswilligen nach wie vor einige Zeit und Geduld ab, will er sich sein Wunschpaket selbst zusammenzustellen. Und für Umbuchungen und Stornierungen bedarf es nach wie vor der Hilfe von Call-Centern. Die Entwicklung des Online-Verkaufs dürfte sich aber gleichwohl weiter beschleunigen, weil gerade Fluglinien die Internet-Buchung forcieren.

Expedia-Leiterin Anja Keckeisen setzt darauf, dass sich auch das bisherige "Grundmisstrauen der Deutschen gegenüber größeren Geldausgaben im Internet" bald legen wird. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Mummert & Partner nämlich kaufen zwei von drei Surfern aus Angst vor Datenmissbrauch nicht im Netz. Eine Befragung unter Internet-Nutzern ergab, dass die Sicherheit von Daten und Zahlungsverkehr noch vor dem Preis das wichtigste Kriterium für die Online-Buchung von Reisen ist. Diesem Bedürfnis begegnet Expedia seit kurzem mit einem "S@fer-shopping"-Prüfsiegel, einer Zertifizierung nach Vorbild des TÜV und der Stiftung Warentest. Das Unternehmen hofft, dass andere Anbieter folgen werden. Neben dem Schutz vor Datenmissbrauch werden auch Effizienz von Bestell- und Bezahlvorgang, übersichtliche Gestaltung und einfache Navigation der Websites in die Bewertung einfließen.

DRV-Sprecher Boergen attestiert den Internet-Plattformen zwar heute schon ein "hohes Maß an Zahlungssicherheit", sieht dafür aber ein anderes großes Manko der Online-Anbieter: "Viele Reisende bevorzugen nach wie vor eine persönliche Ansprache. Klassische Reisebüros haben häufig eine starke örtliche Kundenbindung, die das Internet nicht bietet."