Fast könnte man sie richtig lieb haben, die Leute von Aldi. Sie geben uns nicht nur billiges Essen von bester Qualität, nein, sie sind auch noch gute Freunde. "Aldi will seine Kunden niemals enttäuschen", schreibt Dieter Brandes. Und weiter: "Aldi nimmt grundsätzlich alles zurück, was dem Kunden nicht gefällt." Und noch weiter: "In der Komplexität dieser Welt ist Aldi ihr Anker, an dem sie sich festhalten können."

Nie zuvor strahlte ein Supermarkt mehr Geborgenheit aus. Aber so muss es wohl sein beim größten deutschen Discounter. Brandes hat es schließlich selbst erlebt – als Geschäftsführer und Verwaltungsrat des Billig-Imperiums. Er kennt die Firmenphilosophie. Er weiß, wie die Menschen ticken, die mit niedrigen Preisen hohe Gewinne machen.

Sein Buch besteht aus Ratschlägen, die er aus den elf Geheimnissen des Aldi-Erfolges abgeleitet hat. Angesprochen werden nicht Otto-Normaleinkäufer, sondern Einzelhändler. Ihnen verrät Brandes, was sie von Aldi lernen können: "Erarbeiten Sie das Vertrauen Ihrer Kunden!" Und: "Seien Sie zu den Lieferanten fair – helfen Sie ihnen, besser zu werden!" Aber vor allem: "Werden Sie fähig zur Einfachheit!"

Überflüssiges hat bei Aldi nichts zu suchen. Es gibt keine Kundenbefragung und keine Marktforschung. Man verzichtet auf moderne Management-Methoden und die Hilfe von Unternehmensberatern. Wer bei Aldi Führungsaufgaben übernehmen will, muss die ganze Ochsentour durchmachen: erst Regale einräumen – später entscheiden, was eingeräumt wird. Höchstes Statussymbol der Manager ist ein Dienstwagen ohne Metallic-Lackierung und ohne elektrische Schnickschnack. Normale Angestellte wissen, dass im Hause Aldi keine Weihnachtsfeiern oder Betriebsfeste stattfinden. "Das Unpersönliche", so Brandes, "ist durchaus Teil der Aldi-Kultur."

Vielleicht ist es gerade das Unpersönliche, das die seltsame Nähe zwischen Aldi und seinen Kunden schafft. Vielleicht vertrauen sie deshalb darauf, Aldi investiere ihr Einkaufsgeld lieber in Lebensmittel als in die Privilegien der eigenen Führungselite. Dabei sollte nur nicht vergessen werden, dass die Aldi-Gründer Karl und Theo Albrecht nach Recherchen des Manager Magazins ein Vermögen von rund 28 Milliarden Euro besitzen. Von irgendwo her muss das Geld ja kommen. Nur davon steht leider nichts in Brandes’ Buch. roh