Gut, wenn man weiß, wer böse ist. Peter Köpf und Alexander Provelegios wissen es schon: die Wirtschaft. "Kinder sollen als menschliche High-Tech-Waffen in den Weltwirtschaftskrieg um Märkte und Innovationsfähigkeit ziehen und dem Standort Deutschland den Sieg sichern", mahnen die beiden Autoren. Fast 200 Buchseiten lang geißeln sie dehalb das Großkapital. Und das war es dann auch. Schade.

Dabei haben sich Köpf und Provelegios so viel vorgenommen. Sie wollten erklären, wie Kinder verplant werden; davor warnen, sie zu Objekten wirtschaftlicher Interessen zu machen; dafür plädieren, ihnen eine unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen. Leider gelingt es den beiden nicht. Köpf und Provelegios beschränken sich aufs Meckern.

Sie legen eine Klischee-Fibel vor, die vor allem durch die Vielfalt besticht, in der abgedroschene Phrasen kombiniert werden: "Gibt es einen vernünftigen Grund, weshalb wir unsere Kinder auf dem Silbertablett anrichten sollen, um dann tatenlos zuzusehen, wie Wirtschaft und Politik sie gepflegt mit Milton Friedmans Tafelsilber verspeisen?"

Richtig hart gehen Köpf und Provelegios jene an, die ein Unterrichtsfach Wirtschaft fordern. Die Autoren wissen, was Manager und Unternehmensberater mit unschuldigen Schülern wirklich vorhaben. "Die Arbeitsameisen, die nur in der Masse nennenswert zur Wertschöpfung beitragen, können früh selektiert und gezielt auf ihr späteres Aufgabengebiet vorbereitet werden", schreiben sie. Da hätte selbst Aldous Huxley noch was lernen können.

Die Horrorvision wird mit knallharter Recherche belegt: "Deutsche Firmen wie Telekom, Lufthansa, Deutsche Bank, DaimlerChrysler oder Linde investieren Milliardensummen und werden als Mega-Merger weltweit gefürchtet." Köpf und Provelegios müssen es wissen, schließlich wissen sie auch noch ganze andere Dinge: zum Beispiel, dass die ehemalige Familienministerin nicht Christine, sondern Ingrid Bergmann hieß (Seite 37, oben links). Aber gut, Flüchtigkeitsfehler kommen vor, wenn ein Pauschalurteil das nächste jagt.

Das Buch hätte interessant sein können. Denn es ist wichtig, über Sinn und Unsinn von Wirtschaft im Unterricht zu diskutieren. Und ebenso, der Frage nachzugehen, wer sich noch für Geschichte interessiert, wenn die Zukunft auf dem Spiel steht. Über all das muss man reden. Aber nicht so. roh