Bekanntlich werden die Bayern nie aus eigener Kraft deutscher Fußballmeister, sondern nur, weil sie mit viel Glück, gnädigen Schiedsrichtern und reichlich Überheblichkeit gesegnet sind. Und nun die zum Himmel schreiende Überraschung. Bei diesem, ihrem 18. Meistertitel entschied nicht Fortune oder Schiri-Verrat, sondern allein die schiere Überlegenheit.

Die Rothosen, zu Anfang sogar als "weißes Ballett" bejubelt, waren einfach besser - und sympathisch dazu.

Für Bayern-Feinde war dies ein Schlag ins Kontor aller Gewissheiten. Vier Tage vor Abschluss der Spielzeit steht schon der Meister fest, und diesmal zu Recht. Seit Wochen schien diese 40. Bundesligasaison entschieden zu sein, lagen die Münchner zeitweise bis zu 15 Punkten vor ihrer Konkurrenz. Jetzt kann höchstens noch der Abstiegskampf reizen. Doch wer außer den Eingefleischten verschwendet sein Wochenende schon damit, um am Radio zu erfahren, ob Cottbus, Leverkusen, Nürnberg oder Bielefeld absteigt?

So kann es nicht weitergehen - siegreiche und sympathische Bayern? Keine Sorge, denn der Hochmut-Pegel steigt. Ab sofort würde sich das Team auf die neue Saison vorbereiten. Bundesliga? Ah, geh! Allein die Königsklasse, die Champions League, haben Kahns Triumphatoren im Visier. Gedemütigt hatten sie in der vergangenen Saison die europäische Arena verlassen, um sich an Bielefeld und Wolfsburg zu rächen. Bayern-Feinde dürfen Mut fassen: Hitzfelds Arroganz-Artisten laufen wieder zu klassischer Form auf.