Er kommt eine Viertelstunde zu spät. Stau. Jetzt fliegt die Tür zur Geschäftsstelle des VfL Borussia Mönchengladbach auf: Ewald Lienen und sein Gesicht aus Querstrichen. Er ist gar nicht so blass, wie er im Fernsehen immer aussieht. In der Hand hält er eine Plastikflasche: französisches Mineralwasser. Er setzt sich, richtet die Krawatte und entdeckt vor sich auf dem Tisch die beiden Visitenkarten: DIE ZEIT, Ressorts Feuilleton und Leben.

Das sieht ja nicht gerade nach einem Interview über Fußball aus.

Gut gebräunt und trotzdem nicht entspannt. Stimmt also das Gerede, dieser Trainer gehe in Interviews wie andere in Boxkämpfe? Das könnte daran liegen, dass er eine Schleppe von Vorurteilen hinter sich herzieht, die noch dicker gearbeitet ist als sein blaues Cordsakko: Ewald Lienen, in den Achtzigern Landtagskandidat der DKP-nahen Friedensliste, Protestierer gegen Berufsverbote, dazu Autogramm-Verweigerer, weil er sich nicht über andere Menschen stellen wollte. Kurzum: das Sport-Aushängeschild der Alternativbewegung. Jetzt soll aus dem Linksaußen ein autoritärer Disziplinfanatiker geworden sein.

Herr Lienen, Ihre Mannschaft steckt im Abstiegskampf. Was braucht man, um so ein entscheidendes Spiel wie das gegen den VfL Bochum am nächsten Samstag zu gewinnen?

Gute Einstellung, bisschen Glück. Viel Leidenschaft und Selbstvertrauen.

Wir haben auf das Wort Disziplin gewartet.

Das lief schon unter Einstellung. Zu einer korrekten Einstellung gehört Disziplin.