Eine Dokumentation seiner Ansprache am 10. Mai 1933 auf dem Marktplatz in Bonn

So verbrenne denn, akademische Jugend deutscher Nation, heute zur mitternächtigen Stunde an allen Universitäten des Reichs, – verbrenne, was du gewiß bisher nicht angebetet hast, aber was doch auch dich wie uns alle verführen konnte und bedrohte.

Wo Not an den Mann geht und Gefahr in Verzug ist, muß gehandelt werden ohne allzu großes Bedenken. Fliegt ein Buch heute Nacht zuviel ins Feuer, so schadet das nicht so sehr, wie wenn eines zu wenig in die Flammen flöge. Was gesund ist, steht schon von allein wieder auf.

Aus dem erlauchten Kreis um Stefan George, vom Dichter Ernst Bertram [1884 bis 1957, seit 1922 und während der Nazizeit Germanistik-Ordinarius in Köln] bekamen wir folgenden Weihespruch mit auf den Weg:

Feier der Jugend

Laßt euch nicht irren: tragt
Nur Reisig für euer Gericht!
Allzu duldend besteht
Jugend nicht vor dem Herrn.
Verwerft, was euch verwirrt,
Verfemt, was euch verführt!
Was reinen Willens nicht wuchs,
In die Flamme mit was euch bedroht!
Aber zu sondern wißt
Den heilig fremderen Keim:
Flamme des Dankes dereinst
Lodert Geschontem hinauf.

Einen weiseren Ratgeber als diesen können wir uns nicht denken. Heilig Fremdes, das uns bereichern kann, das wir uns anzuverwandeln vermögen, soll nicht der Flamme geweiht sein. Irren ist menschlich, aber gemeint haben wir nur das unheilige Fremde, was reinen Willens nicht wuchs. Da nun habt ihr, liebe Kommilitonen, unbekümmert zugegriffen, rasch, nach dem edlen Vorrecht der Jugend.