computer Fahndung mit der SpielkonsoleSeite 2/2
Diese Sitzungen sind die großen Auftritte von Marek Brunner. In 20 Minuten muss er den Gutachtern einen Eindruck von einem Spiel vermitteln und problematische Sequenzen vorführen – keine leichte Aufgabe bei Games, in denen sich alles um Geschicklichkeit dreht und es nach einer falschen Bewegung schnell heißen kann: „Game over!“ Wie ein Bühnenkünstler muss Brunner sich auf seinen Auftritt vorbereiten, um auf Wunsch der Gutachter Lara Croft über diesen Abgrund balancieren oder durch jene Unterwasserhöhle schwimmen zu lassen. Lampenfieber hat Brunner aber nur noch selten, sagt er.
Bei PC- und Konsolenspielen sitzen alle Gutachter vor einem eigenen Monitor, bei Spielen für den Gameboy beugt sich das komplette Gremium über den winzigen Taschencomputer. „Es ist wichtig, dass man die Spiele so sieht, wie sie gespielt werden“, sagt Brunner. „Wenn man ein Spiel projiziert, bekommt man einen ganz falschen Eindruck, weil es wie ein Film aussieht.“
Bei manchen Spielen liefern die Hersteller Skripte, Lösungshefte und Geheimcodes mit, um dem Tester die Arbeit zu erleichtern. „Aber dann haben wir plötzlich ein Spiel aus Japan, über das selbst der deutsche Vertrieb nicht das Geringste weiß. Da muss man allein durchfinden“, sagt Brunner, der pro Woche etwa fünfzehn Stunden beruflich und noch mal zehn Stunden privat am Rechner daddelt.
Bei besonders heiß ersehnten Titeln wie dem Spiel zum Kinospektakel Matrix kommen Mitarbeiter des Herstellers persönlich nach Berlin, um das Game vorzuführen. Zu groß ist die Angst, dass Informationen vor der Veröffentlichung durchsickern oder gar das Spiel selbst in Internet-Tauschbörsen auftaucht. Andere Firmen schicken Vertreter, die ein Game so vorführen, dass es besonders blutrünstig wirkt. Ihre Absicht: Das Spiel soll als nicht jugendfrei eingestuft werden – in bestimmten Kreisen machen erst solche Ratings einen Titel interessant.
Aber die Mehrheit der Games ist seiner Ansicht nach vollkommen harmlos. „Sicher gibt es die Spiele mit Motorsägen, Nazis und den halb nackten Babes vom Pluto.“ Die öden ihn an. „Mich interessieren Spiele, die eine Seele haben und die entweder ganz nah an der Realität oder abartig weit weg von der wirklichen Welt sind.“ Immer wird er aber nicht Spieletester bleiben. Nicht, dass ihn der Beruf langweilen könnte, „aber irgendwann werde ich für die neuen Spiele nicht mehr schnell genug sein“.
- Datum 08.05.2003 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 08.05.2003 Nr.20
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