Türsteher müsste Gerhard Schröder sein. Ohne langes Gerede könnte der Kanzler bestimmen, wer in den Reformclub reindarf und wer nicht. Klaus Wiesehügel will die Kürzung des Arbeitslosengeldes geißeln? Betonköpfe bleiben draußen. Arbeitgeber-Chef Dieter Hundt? Hat sich beim letzten Mal danebenbenommen. Gewerkschaftsfrau Ursula Engelen-Kefer? Wird ignoriert.

Ein Türsteher hat nach landläufiger Ansicht genau die Macht, die der Kanzler gern hätte. Er darf bestimmen, ohne viel zu reden, alle müssen nach seiner Pfeife tanzen, Überzeugungsarbeit ist Luxus. Kurzum: Ein Türsteher macht Politik in Basta-Manier.

Nun aber ist die Türsteher-Branche in Aufruhr. Der Weg zur Macht führt künftig über die Handelskammern, wo jeder neue Türsteher eine so genannte Sachkundeprüfung ablegen muss. Das ist an sich schon erstaunlich, noch verblüffender aber sind die Prüfungsinhalte. Der wortkarge, autoritäre Bestimmer am Eingang ist ein Auslaufmodell, von nun an zählt der Kuschelfaktor: "Deeskalationstechniken in Konfliktsituationen" etwa oder der "Umgang mit Menschen". Da dürfte das Türstehen doch viel von seinem ursprünglichen Reiz verlieren - nicht nur für den Kanzler.

Also strömen die Wiesehügels, Hundts und Engelen-Kefers weiter vorbei an Gerhard Schröder auf die Bühne des Reformclubs. Und machen dort ihr eigenes Theater.