Im Bundestagswahlkampf 2002 suchte die SPD ihr Heil noch im Blockieren von Reformen: Auf Betreiben von Bildungsministerin Edelgard Bulmahn beschloss der Bundestag, Studiengebühren bundesweit zu verbieten. Damit sollte vorwitzigen Landesministern untersagt werden, neue Wege der Hochschulfinanzierung zu beschreiten. Schon damals protestierten Bildungspolitiker aus dem Lager von Union und FDP gegen das Denk- und Handlungsverbot aus Berlin. Nun stemmen sie sich vor dem Bundesverfassungsgericht gegen Bulmahn; dieser Tage legen sechs unionsgeführte Bundesländer ihre Klageschrift in Karlsruhe vor.

Die Länder begründen ihre Klage zwar juristisch: Bulmahn greife in ihre Kernkompetenzen ein, denn Hochschulpolitik ist Ländersache. Dahinter steht aber die politische Absicht, "dass Überlegungen zu sozial ausgewogenen Studiengebühren nicht ausgeschlossen werden dürfen", wie der baden-württembergische Minister Peter Frankenberg (CDU) sagt. Auch Hamburgs parteiloser Wissenschaftssenator Jörg Dräger bekräftigt, mit dem Rechtsentscheid eine Diskussion über Studiengebühren anstoßen zu wollen.

Dass die Universitäten dringend Geld brauchen, bestreitet niemand: Allerorts jammern Studenten über volle Hörsäle, marode Gebäude, schlecht ausgestattete Bibliotheken sowie Hochschullehrer, die sich auch noch um ungezählte Kommilitonen kümmern müssen. Die Berliner Humboldt-Universität kündigte gar an, im Wintersemester wegen der lauen Lage keine Studenten mehr aufzunehmen.

2500 oder 3000 Euro pro Jahr

Fahrt gewinnt die Gebührendiskussion durch neue Modelle, die in jüngster Zeit vorgelegt wurden: Sie wollen eine Antwort geben auf die entscheidende Frage: Wie hältst du’s mit der Sozialverträglichkeit?

Bislang haben Kritiker stets bezweifelt, dass sich Studiengebühren sozial ausgewogen gestalten ließen. Kinder "aus bildungsfernen Schichten", wie es im korrekten Deutsch hochschulpolitischer Tagungen heißt, würden dann vom Studium abgeschreckt – aus Angst vor einem riesigen Schuldenberg beim Berufseinstieg.

Gebührenbefürworter haben dem die Erfahrungen aus Ländern mit Bezahlstudium gegenübergestellt: Dort – etwa in England, Kanada oder den USA – sind mehr Arbeiterkinder immatrikuliert als in Deutschland. Nach einer Erhebung des Deutschen Studentenwerks nehmen hierzulande neunmal so viele Kinder aus reichen Elternhäusern ein Studium auf wie die aus armen Familien. Außerdem haben die Gebührenbefürworter stets die "Umverteilung von unten nach oben" angeprangert: Maler und Maurer finanzierten mit ihren Steuern das Studium des Managersöhnchens. Während viele Krankengymnasten für ihre Ausbildung zahlen müssen, bekommen die Ärzte eine jahrelange Ausbildung bezahlt. Es sei paradox, dass der Kindergarten Geld koste, die Universität aber nicht. Gebühren, so das Fazit, seien somit sozialer als keine Gebühren.