Ein Salzfass, aber was für eines! Nun wurde es geraubt aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien, wird wohl einem pathologischen Sammler das einsame Sonntagsei verschönen, für den Rest der Menschheit aber für immer unsichtbar bleiben: Benvenuto Cellinis Saliera, entstanden um 1540, eine Inkunabel des Manierismus, die vielleicht größte Kostbarkeit der Wiener Schatzkammer, die einzige erhaltene Goldschmiedearbeit des begnadet exzessiven Künstlers, dessen Autobiografie Goethe ins Deutsche übertragen hat. Dieses Salzfass ist nur 26 Zentimeter hoch und 33,5 Zentimeter lang, aber die Beschreibung dessen, was sich im Kontext des fürstlichen Gebrauchsgegenstandes abspielt, füllt schon bei Cellini Seiten. Auf einem Sockel aus Ebenholz, der verziert ist mit einem reichen mythologischen Programm, lagern, leicht zurückgelehnt, zwei Figuren, deren Füße sich "in edler Grazie kreuzen" (B. C.). Neptun, der Gott des Meeres, hält einen Dreizack, das Schiff zu seiner Rechten ist das Gefäß für das Salz. Ihm gegenüber eine Frauengestalt, die Inkarnation der Erde, an ihrer Seite steht ein kleiner Tempel, um den Pfeffer aufzunehmen, in ihrer anmutig herabhängenden Hand ein Füllhorn mit Blumen und Früchten. Was sich bei der Übergabe an den Auftraggeber Franz I. von Frankreich abspielte und warum Cellini nach diesem Zeremoniell der Schläue das Salzfass erst einmal mit seinen Freunden einweihte, kann man bei ihm selber nachlesen, der in eigener Sache auch ein Künstler des Wortes war. Das ist wohl alles, was uns bleiben wird, nachdem die Museumswärter, erschöpft von einer "Langen Nacht der Musik" im Museum, den Alarm für einen Fehlalarm hielten und die Schätzung der Saliera auf 50 Millionen Euro nicht einmal als Salz in der Wunde taugt.