Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge sind in aller Munde – doch von vermögenswirksamen Leistungen (vL) als betrieblich und staatlich geförderte Sparform ist eher wenig zu lesen und zu hören. Zu Unrecht, denn der Beratungsbedarf ist groß, und viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verschenken aus Unwissenheit bares Geld. "Nur jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland nimmt vermögenswirksame Leistungen in Anspruch", schreibt die Fondsgesellschaft Union Investment in einer Studie. In Ostdeutschland nutzt sogar nur jeder dritte diese Anlageform, obwohl dort wegen des niedrigeren Lohnniveaus die Chancen auf staatliche Förderung besonders groß sind.

Dabei ist das vL-Sparen einfach zu bewerkstelligen. Das Vermögensbildungsgesetz ermöglicht zwei Varianten. Bis zu 480 Euro pro Jahr können als Banksparvertrag, Bausparvertrag, Kapitallebensversicherung oder zur Tilgung eines Baukredites angelegt werden. In der zweiten Variante können 408 Euro pro Jahr in eine Unternehmensbeteiligung wie Aktienfonds, Genossenschaftsanteile oder Mitarbeiterbeteiligung fließen. Der Arbeitnehmer kann dabei beide Varianten kombinieren, sodass insgesamt 888 Euro pro Jahr für die Vermögensbildung verwendet werden können.

Besonders interessant werden die vermögenswirksamen Leistungen, wenn ein lediger Arbeitnehmer pro Jahr nicht mehr als 17900 Euro verdient – bei Verheirateten sind es 35800 Euro (siehe Kasten). Dann nämlich gibt es vom Staat die Arbeitnehmer-Sparzulage. Voraussetzung ist jedoch, dass sich der Sparer verpflichtet, nicht vor Ablauf der siebenjährigen Sperrfrist auf seine Ersparnisse zuzugreifen. Besonders üppig fällt die Zulage für Fondssparer aus: Wer sein Geld in einen Aktienfonds oder einen anderen Beteiligungssparvertrag investiert, erhält nach sieben Jahren vom Finanzamt einen Zuschlag von 20 Prozent auf das eingezahlte Kapital überwiesen. In Ostdeutschland beträgt diese Förderung bis 2004 sogar 25 Prozent.

Bonus für sieben Jahre Warten

Fondssparer sollten jedoch bedenken, dass es auch bei vL-Aktienfonds keine Garantie für den Kapitalerhalt gibt. Entwickeln sich die Aktien extrem schlecht, kann das Guthaben trotz staatlicher Zulagen am Ende niedriger sein als die Summe der ursprünglich eingezahlten Raten. Außerdem ist die Anzahl der vL-tauglichen Fonds begrenzt, weil sie einen Aktienanteil von mindestens 60 Prozent vorweisen und den Einstieg mit niedrigen Monatsraten ermöglichen müssen. So bieten etwa Deka und Union Investment jeweils nur drei vL-Fonds. Deutlich größer ist die Auswahl bei der Commerzbank-Tochter Adig, wo die Sparer zwischen 28 Einzelfonds und vier Dachfonds wählen können. Darunter befinden sich jedoch auch hoch riskante Schwellenländer- und Neue-Märkte-Fonds.

Zehn Prozent Zulage gibt es, wenn die vermögenswirksamen Leistungen für wohnwirtschaftliche Zwecke verwendet werden. Dieses Kriterium ist erfüllt, wenn die Raten auf einen Bausparvertrag wandern. Ob dieser nach Ablauf der Sperrfrist auch wirklich für die Baufinanzierung verwendet wird, interessiert den Gesetzgeber jedoch nicht. Wer den Bausparvertrag mindestens sieben Jahre lang laufen lässt, kann über das Guthaben frei verfügen, ohne staatliche Fördergelder zu verlieren – mit einer Einschränkung: Zum Zeitpunkt der Verfügung muss der Vertrag die Zuteilungsreife erreicht haben.

Ebenfalls zehn Prozent Zulage gibt es für die Tilgung eines ganz normalen Baudarlehens durch vermögenswirksames Sparen. "Von dieser Variante erfährt man im Beratungsgespräch nur selten", weiß Peter Grieble, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Abwicklung ist denkbar einfach: Die vL-Rate wird einfach als zusätzliche Tilgung direkt auf das Darlehenskonto überwiesen, sofern die Möglichkeit der Sondertilgung besteht. Ansonsten kann bei der Neu- oder Anschlussfinanzierung die Kreditrate auch von vornherein entsprechend gesplittet werden. Für den vL-Sparer lassen sich hingegen bei vergleichbarer Sicherheit kaum bessere Renditen erzielen als durch den eingesparten Darlehenszins.

Wer einen Bausparvertrag wählt, sollte schon vor dem Vertragsabschluss überlegen, ob er nach der Zuteilung den Kredit in Anspruch nehmen oder den Vertrag als reine Geldanlage nutzen will. "Die Wahl des richtigen Tarifs ist maßgebend für die optimale Rendite", sagt Finanzexperte Grieble. Wer sich heute schon günstige Zinsen für die Kreditaufnahme in sieben Jahren sichern will, wählt in der Regel einen Standardtarif aus. Für Geldanleger ohne Finanzierungsabsicht sind hingegen die so genannten Renditetarife interessanter. So bringen etwa die entsprechenden Tarifmodelle von Quelle-Bausparkasse, HuK-Bausparkasse, BHW oder Debeka inklusive Sparzulage Renditen von mehr als sechs Prozent pro Jahr.