Pech beim Bau, Glück in der Liebe: Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Künste, deren Umzug ins neue Haus am Pariser Platz noch immer an den Finanznöten der Hauptstadt scheitert, hat dafür einen neuen Präsidenten gekürt, der sogleich ein enthusiastisches Bekenntnis zu Preußen formulierte. Der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg schlug in seiner Antrittsrede den anmutigen Bogen von Neuchâtel zu den Hohenzollern, die den Kanton lange besaßen. In der Begabung zur historischen Ironie ist Muschg ein würdiger Nachfolger des Ungarn György Konrád - wie überhaupt die Internationalität zu den glücklichen Neigungen der Akademie gehört, während das Verhältnis zum Staat problematisch bleibt. Die Kulturministerin Christina Weiss hat zwar vorsichtige Bereitschaft bekundet, die Akademie in Bundesobhut zu nehmen und damit von den Berliner Malaisen zu befreien, aber ob der Übergang zu einer national-repräsentativen Institution, der damit verbunden wäre, wünschenswert sei, hat wiederum der Schweizer Föderalist Muschg bezweifelt. Auch dieser Zweifel liegt in der Tradition - denn dass Preußen und die deutsche Nation nicht ohne Schaden synchronisiert werden können, haben sowohl Bismarck wie Fontane noch gut gewusst.