Deutschlands dienstältester Kultusminister verabschiedet sich in den Ruhestand so, wie er regiert hat: eigenwillig, öffentlichkeitswirksam und standesbewusst. In seinen letzten Amtsmonaten – gut platziert vor der Landtagswahl – präsentiert Hans Zehetmair (von den Studenten liebevoll "Zehe" genannt) ein Projekt, das für Aufregung sorgt: Vom kommenden Jahr an soll es neben dem universitären Fußvolk eine akademische Premiumklasse geben. Zehetmair will an Bayerns Hochschulen "Elitestudiengänge" einrichten.

Rund 2000 besonders leistungsstarke Studenten, etwa ein Prozent der Gesamtzahl, werden zusätzlich zum normalen Kurspensum in den Genuss von Spezialvorlesungen, Wochenendseminaren, Sommerakademien und Praktika kommen. Darüber hinaus sollen "Internationale Doktorandenkollegs" herausragenden Nachwuchswissenschaftlern aus aller Welt optimale Bedingungen für den Start in eine Forscherkarriere bieten.

SPD und Grüne haben – natürlich – Protest angemeldet. Extramittel für Edelstudenten? Das sei politisch höchst unkorrekt. Das Leistungsangebot einer Hochschule müsse für alle ihre Studenten gelten.

Wer so argumentiert, verkennt sowohl den Sinn eines Studiums als auch ein Stück deutscher Hochschulrealität. Neben der durchaus notwendigen "Massenausbildung" von Lehrern, Ärzten, Ingenieuren müssen Universitäten sich auch – anders als die Schulen – gezielt um "Eliteförderung" bemühen. In der Schule ist Skepsis gegenüber Elitenbildung und früher Leistungsselektion berechtigt. Hier müssen soziale Unterschiede ausgeglichen und Talente zur Entfaltung gebracht werden. Hier werden, um ein altmodisches Wort zu benutzen, Kinder erzogen. Im Studium dagegen, besonders im Promotionsstudium, müssen die Begabtesten die Möglichkeit haben, Talente, Fleiß und Zielstrebigkeit einzusetzen – für den eigenen Erfolg, aber damit auch für die Qualität der Forschung.

Dass dies in Deutschland nicht üblich ist, dass fast jeder, der möchte, promovieren darf und die Doktorandenausbildung beliebig, engstirnig und viel zu lang ist, bezahlen wir doppelt: Hunderte von Nachwuchsforschern wandern jedes Jahr ins Ausland ab, kaum jemanden zieht es umgekehrt für eine Doktorarbeit nach Deutschland. International ausgerichtete Promotionsstudiengänge sind die Lösung. Das hat der Wissenschaftsrat längst gefordert, und Länder wie Nordrhein-Westfalen sind dabei, die Forderung umzusetzen.

Bayern geht nun einen Schritt weiter und beginnt die Bestenauswahl bereits nach dem Vordiplom. Damit trägt es den enormen Leistungsunterschieden zwischen den Studenten Rechnung. Andere Nationen lösen das Problem, indem sie zwischen ihren Hochschulen unterscheiden: Die besten Studenten gehen an die besten Hochschulen. An der deutschen Massenuniversität scheint das (noch) unmöglich. Da müssen bayerische Modelle die Zukunft weisen. Martin Spiewak