Hamburg, die Hochburg der Arbeitslosen und Drückeberger in Deutschland? Oder eine Stadt mit Arbeitsämtern, die selbst nicht effizient arbeiten? Immer häufiger gerät der Hamburger Behörden-Chef Rolf Steil mit traurigen Rekorden in die Schlagzeilen. "Arbeitslosigkeit mit Ausnahme von Hamburg überall zurückgegangen", meldete Mitte vergangener Woche die bundesweite Presseagentur dpa. In der jüngsten Statistik der Bundesanstalt für Arbeit warteten lediglich die Hanseaten mit einem Plus bei den Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat auf. Rund 87 600 Menschen sind in Hamburg jetzt ohne Job.

Die regionale Wirtschaft leide unter der Entwicklung der Exporte. Sie sei davon besonders stark betroffen, so die Begründung des Behördensprechers. Das Problem nur: Im März lagen die deutschen Ausfuhren noch um 2,8 Prozent höher als im Jahr zuvor. Trotzdem schrumpfte die Zahl der gemeldeten Stellen weiter. Im April waren es nur noch 8324, fast 1400 weniger als ein Jahr zuvor.

Die Vermittler können also nicht gerade aus dem Vollen schöpfen. Vielleicht aber haben Unternehmen in der Hansestadt auch die Hoffnung aufgegeben, über das Amt fündig zu werden. In einer bundesweiten Umfrage im Sommer vergangenen Jahres stellten die Firmen der Hamburger Behörde jedenfalls ein miserables Zeugnis aus. Das Arbeitsamt landete unter 181 getesteten Bezirken in Deutschland auf einem der letzten Plätze.

Dafür aber kann sich Steil rühmen, zu jenen Behördenchefs zu gehören, die den meisten Arbeitslosen die Unterstützung versagen. Und das nicht etwa, weil Hamburg die Hauptstadt der Drückeberger sei, "aber wir sind die Strengsten und erwischen die meisten", so seine Erklärung für die Erfolgsquote in diesem Bereich. Schade nur, dass es die einzige ist.