die zeit: Nach langen Mühen wird Ihr Anbau für das Deutsche Historische Museum nun eingeweiht. Ist es ein Haus geworden, das Sie glücklich stimmt?

Ieoh Ming Pei: Glücklich? Ach wissen Sie, ich habe mein Bestes versucht, aber zufrieden bin ich nie. Von den rund 60 Häusern, die ich in meinem Leben bauen durfte, bin ich nur mit einer Hand voll wirklich glücklich. Man kann alles immer noch besser machen.

zeit: Kritisiert wird ja vor allem der Treppenturm Ihres Museums.

Pei: Ja, manche meinen, er sei zu vorwitzig. Doch das soll so sein, er muss einem ins Auge springen. Jeder Architekt hat es gern, wenn sein Gebäude gesehen wird. Aber hier geht es nicht nur um mein Ego, es geht ums Gebäude. Es liegt im Schatten der Neuen Wache von Schinkel, versteckt hinter dem mächtigen Zeughaus von Schlüter, und braucht ein architektonisches Signal. Es ist klein und muss doch große Wirkung erzielen.

zeit: Hat es deshalb eine so verschwenderische Treppenhalle? Sie wirkt fast so, als sei sie das Entree zu einer bedeutsamen, riesigen Sammlung.

Pei: Was hier gezeigt wird, ist ja auch bedeutend, und die Architektur soll dies betonen. Sie soll die Menschen dazu verführen, sich durch das ganze Haus zu bewegen, voller Neugier und Genuss. Selbst in das höchste, in das vierte Geschoss will ich sie locken, durch immer neue Treppen, neue Über- und Ausblicke. Deshalb ist das, was Sie Verschwendung nennen, in Wahrheit eine List. Die Architektur soll alle Mühen, die ein Museumsbesuch mit sich bringt, vergessen machen.

zeit: Für das Spiel der Blicke haben Sie die Halle durch Glasfronten geöffnet. Wäre an diesem Ort, eingeklemmt zwischen Schlüter- und Schinkelbauten, nicht eine Steinfassade angemessener gewesen?