die zeit: Das Pentagon plant im Irak einen Blitz-Wiederaufbau. Wenige Monate soll er dauern, und klassische Entwicklungshelfer aus Vereinten Nationen und Nichtregierungsorganisationen wurden in die zweite Reihe verbannt. Können die Amerikaner das allein schaffen?

Mark Malloch Brown: Früher oder später werden sie merken, dass man einen Marathon nicht in einen Sprint verwandeln kann. Und dass sie Partner brauchen. Aber die amerikanische Regierung steht im Augenblick unter gewaltigem Druck. Auf der einen Seite will sie sicherstellen, dass der Wiederaufbau funktioniert. Auf der anderen Seite wollen sie schnell wieder verschwinden, bevor daheim die Unterstützung bröckelt.

zeit: Heißt das aber nicht auch, dass die Vereinten Nationen in der Vergangenheit nicht zügig und effizient genug gearbeitet haben?

Malloch Brown: Die Amerikaner verlassen sich im Augenblick auf die Werkzeuge, die sie am besten kennen: die Privatwirtschaft, amerikanische Unternehmer, Soldaten und Verwaltungsbeamte, die gewisse amerikanische Vorstellungen von ‚Effizienz‘ teilen und ‚den Job erledigen‘ wollen. Die Rekonstruktion von Brücken und Rohren erfordert selbstverständlich große Aufträge an große Konzerne.

zeit: Also machen es die Amerikaner richtig.

Malloch Brown: Hier werden sie zu Unrecht kritisiert. Viel schlimmer wäre es, wenn der Aufbau der Institutionen, der politische Konsens und das Vertrauen in die Gesellschaft vernachlässigt blieben. Dies aufzubauen erfordert langwierige Prozesse, die von der Politik im Lande getrieben werden und von unten nach oben wachsen müssen.

zeit: Aber noch funktionieren nicht mal die Krankenhäuser, es mangelt an sauberem Wasser.