Die Probe nicht bestanden

Zu Recht sehen die beiden Herausgeber in dem Skandal um Ernst Thälmann eine Schlüsselepisode in der Geschichte des deutschen und internationalen Kommunismus. Die Stalinisierung der KPD kam damit zu einem Abschluss. Die letzten Reste innerparteilicher Demokratie waren vernichtet. "So wie die Partei heute ist", bemerkte Jacob Walcher, einer der bald darauf ausgeschlossenen "rechten" Abweichler, im März 1928, "wird sie keine geschichtliche Probe bestehen, sie wird schmählich versagen." Die Prognose sollte sich nach Hitlers Machtantritt bewahrheiten.

Thälmann wurde bereits am 3. März 1933 festgenommen. Er verbrachte elf Jahre in NS-Kerkern, bevor er 1944 im KZ Buchenwald ermordet wurde. Stalin zeigte wenig Interesse am Schicksal seines Gefolgsmannes. Auch nach dem Pakt mit Hitler im August 1939 tat er nichts für die Freilassung des KPD-Vorsitzenden. Bayerlein schließt nicht aus, dass der sowjetische Diktator den prominenten Häftling "bewusst den Nationalsozialisten überlassen" habe.