Seiner Stimme vertraut man sich gern an, der ruhigen, breiten Sprechart, von zwei Mundarten grundiert - der Schwabe Peter Härtling kam im südsächsischen Chemnitz zur Welt. "Orchester" spricht er mit Gaumen-ch wie "nicht", ein sehr langes i in "Komponieren", ein sehr kurzes e in "den", wenn er "den Leib der Musik" beschwört. Das tut Härtling als Vorleser der drei Instrumentalisten, die mit ihm auf Tournee und ins WDR-Studio gingen, um den Musiker E.T.A.

Hoffmann neu zu entdecken. Dem Kobold aus Königsberg hat der Schriftsteller nämlich seinen Roman Hoffmann oder Die vielfältige Liebe gewidmet.

Dem Trio Jean Paul schien er der richtige Mann, ein ohnehin einleuchtendes Programm literarisch zu illuminieren: E.T.A. Hoffmanns E-Dur-Trio für Klavier, Geige und Cello - und Beethovens Es-Dur-Trio op. 70, Nr. 2., über das Hoffmann einst eine so hymnische wie analytische Rezension geschrieben hat. Doch neben Härtlings Präsenz, zwischen seinen behaglichen biografischen Skizzen und Romanpassagen droht nun die Musik zum Requisit zu werden, so vorzüglich Pianist Eckart Heiligers, Geiger Ulf Schneider und Cellist Martin Löhr auch spielen (Ars Musici 1337-2, Freiburger Musik Forum). Den Schriftsteller interessiert vor allem jener Hoffmann, der den Frauenstimmen nachstellt "wie ein Jäger". In der zentralen Szene hat er ihn und seine blutjunge Gesangsschülerin inszeniert: "Ihre Augen schwimmen, stellt er mit Genugtuung fest, ihre Lippen sind prall." Derlei schwülen Visionen zieht man dann doch den komponierenden Hoffmann vor, einen differenzierenden, handwerklich hoch bewussten Musiker. In den Ecksätzen seines Trios verfährt er zwar eher gelehrt als genial. Aber das Scherzo in der Mitte verschärft sich zum ganz persönlichen Charakterstück mit verblüffender Tango-Harmonik.

Besonders schwer fällt es, nach Härtlings vereinnahmender Präsenz sich auf Beethoven einzulassen. Sein Es-Dur-Stück ist transparent bis zur Sprödigkeit, konstruktiv kühl, das Subjektive vermeidend. Aber in dieser Materialhaftigkeit steckt auch eine Energie, für die das junge Trio fast etwas zu schön spielt, nie gefährlich. Die Schwerelosigkeit der Musiker passt dafür zur atemberaubenden Passage im Finale, wo sich das Klavier einsam so weit versteigt, dass die Musik sich aufzulösen droht - Beethoven selbst scheint sie von außen zu betrachten. So sitzt man vor den Boxen, hat Härtling hier, dort die Musik - und in der Hand die Fernbedienung, um wieder zu trennen, was die Mode just vereint.