Es ist gut, dass Sie Deutschland besuchen. Der Irak-Krieg ist vorüber.Der Terrorismus leider nicht. Die Erinnerungen an unsere transatlantischen Streitigkeiten werden verblassen. Deren Kernproblem muss allerdings gelöst werden. Es geht um die internationale Legitimität von Amerikas neuer Sicherheitsdoktrin, Präventivkriege inklusive.

Sie sind zurzeit der einzige führende Politiker, der einmal als Soldat im Krieg war (und verwundet wurde). Später haben Sie einen strategischen Leitsatz entwickelt: Amerika sollte niemals in einen Krieg ziehen, den die eigene Nation nicht unterstützt und dessen Ziele unklar sind. Unsere Regierung hat die gleiche Doktrin angewandt. Die Deutschen wollten einfach nicht in den Krieg gegen den Irak ziehen. Punkt.

Vielleicht fragen Sie sich, wie zuverlässig Schröder und Fischer wirklich sind. Doch Sie wissen, dass die beiden seit ihrem Amtsantritt 1998 unbeirrbar den amerikanischen Aufforderungen zur gemeinsamen militärischen Intervention im Kosovo, später in Afghanistan und Makedonien gefolgt sind. Dabei setzten sie ihre politische Zukunft aufs Spiel.

Das "alte Europa" weiß, dass Sie Zweifel an einer zukünftigen Rolle Amerikas als einsam handelnder Welthegemon hegen. Langfristig würde amerikanischer Unilateralismus im "Krieg gegen den Terrorismus" den Vereinigten Staaten schaden – und damit auch seinen Verbündeten. Andererseits muss Deutschland einsehen, dass "Schurkenstaaten" wirklich existieren und dass im Umgang mit ihnen etwas geschehen muss. Allerdings sind Kriege nichts anderes als gut organisierte Gewalt. Sie sind eine Spezialität westlicher Zivilisationen. Aber wir dürfen für den Rest der Welt keine schlechten Beispiele setzen, die wir selbst später bereuen würden.

Tausende von Soldatenfriedhöfen in ganz Europa, darunter viele amerikanische, zeugen von unserer traurigen Geschichte. Inzwischen wissen wir, dass Kriege alles andere sind als die erstbesten Lösungen. Der Besitz militärischer Macht ist verlockend, doch er schwächt die politische Vernunft. Die Vereinigten Staaten und Europa müssen ihr historisches Wissen auffrischen und ihre gemeinsame Erfahrung berücksichtigen, dass Kriege wirklich nur das allerletzte Mittel in Krisensituationen darstellen.

Wir mögen verschiedener Ansichten über die Rolle der Vereinten Nationen sein. Wir mögen uns über globale ökologische Regeln streiten. Wir mögen unterschiedlicher Meinung sein darüber, wie man Hunger, organisiertes Verbrechen, oder die Unterdrückung von Frauen in anderen Ländern bekämpfen kann. Staaten, deren Bürger von Erlösungsideologen unter Missachtung der Menschenrechte geknechtet werden, stellen eine Bedrohung demokratischer Hoffnungen dar. Sie gefährden die friedlichen Lösungen nationaler und internationaler Konflikte. Sowohl die Amerikaner als auch die Europäer wissen, dass es diese Probleme gibt. Wir müssen sie zusammen angehen.

Wir benötigen eine gemeinsame Strategie, deren Ziele Frieden, Wohlstand und Sicherheit in einer Welt ohne Terrorismus sein sollten. Gegenwärtig ist sie geprägt von der wachsenden Kluft zwischen armen und reichen Nationen.

Ihr Besuch in Deutschland unterstreicht Ihren Glauben an unser Bündnis. Es beruht auf gemeinsamen Werten.