Der Sicherheitsrat hat einen Frühlingsausflug unternommen. Ins beschauliche Tarrytown, Upstate New York, lud UN-Generalsekretär Kofi Annan die 15 Botschafter nebst Gattinnen am vergangenen Wochenende ein. Genau das richtige Ambiente für vertrauensvolle Gespräche über den Nachkriegs-Irak.

So viel diplomatische Harmonie war lange nicht. Kriegsbefürworter wie Kriegsgegner sind sich einig: Nur nicht die alten Schlachten schlagen! "Was geschehen ist, ist geschehen", sagt Colin Powell. Amerikas Außenminister will bei der Neuordnung des Iraks "mit allen Freunden" zusammenarbeiten, auch mit Deutschen, Franzosen, Russen und Chinesen. Dürfen die jetzt noch ein bisschen mitsiegen?

Am Freitag haben die USA, Großbritannien und Spanien im Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf eingebracht, der für den britischen Guardian , Labour-freundlich und beharrlich kriegskritisch, auf nichts anderes hinausläuft als die "Legitimierung eines illegalen Krieges und einer zeitlich unbegrenzten Besatzung". So harsch würde das im Sicherheitsrat niemand formulieren. Dominique de Villepin, Frankreichs Außenminister, spricht lieber von einer "Ausgangsbasis".

Bush und Blair wollen die Sanktionen aufheben, die vor dreizehn Jahren gegen Saddam Hussein verhängt wurden. Irgendwelche Einwände?, fragt der Tagesspiegel den Kanzler. "Niemand ist dagegen", antwortet Gerhard Schröder. "Es geht nur um die Bedingungen und das Verfahren." Russen und Franzosen zieren sich noch und verweisen auf frühere Beschlüsse: Aufhebung der Sanktionen erst dann, wenn UN-Inspektoren bestätigen, es gebe im Irak keine Massenvernichtungswaffen mehr. Das findet die deutsche Politik nun doch ein wenig formalistisch: Saddam ist weg, damit auch der Grund für die Sanktionen.

Laut Resolutionsentwurf soll der Sicherheitsrat Amerikaner und Briten als Besatzungsmächte samt allen damit verbundenen Befugnissen und Verpflichtungen anerkennen. Geht auch in Ordnung, findet der Bundeskanzler. Selbst Freund Chirac will nicht nachtragend sein: "Krieg ist eine Sache, das Friedensmanagement eine andere."

Aber hatte Alt-Europa nicht verlangt, die Vereinten Nationen müssten im Nachkriegs-Irak eine "zentrale Rolle" spielen? Jetzt sollen sie gerade einmal bei der humanitären Hilfe, beim Wiederaufbau der Infrastruktur assistieren dürfen. Die politische Nachkriegsordnung jedoch wird von den Alliierten gestaltet, von der "Authority", wie der Resolutionsentwurf die Besatzungsmacht nennt. Für zunächst zwölf Monate soll sie das letzte Wort haben. Sie entscheidet, wie die Öleinnahmen verwendet werden; sie installiert die irakische Übergangsverwaltung. Kofi Annan darf nur einen "Koordinator" ernennen, der den Besatzungsbehörden zur Hand geht.

In drei Punkten möchten die ehemaligen Kriegsgegner nachbessern: Die Vereinten Nationen sollen eine stärkere Rolle bei der politischen Neuordnung des Iraks spielen; die Alliierten sollen nicht allein über die Ölgeschäfte Bagdads entscheiden; die UN-Waffeninspektoren, im Resolutionsentwurf mit keinem Wort erwähnt, sollen nicht sang- und klanglos abgehalftert werden.

Deutschen, Franzosen und Russen ist unwohl bei dem Gedanken, der Sicherheitsrat könnte dem Präventivkrieg der Amerikaner nachträglich seinen Segen geben. Eine Zustimmung zum Nachkriegsregime soll nicht als Eingeständnis verstanden werden, das Nein zum Krieg sei falsch gewesen. Schröder, Chirac und Putin gehen nicht nach Canossa.