Kein schöner Zug

Bahnchef Mehdorn lässt andere für die eigenen Fehler büßen von Schmid

Endlich, werden viele sagen, endlich rollen bei der Bahn die Köpfe. Zwei Vorstandsmitglieder der DB AG aus dem Bereich Personenverkehr müssen gehen. Sie werden für die rückläufigen Umsätze und die geringe Akzeptanz des neuen Preissystems bei den Kunden verantwortlich gemacht. Das Fatale an der Sache: Es sind die Falschen.

Seit dem Fahrplanwechsel im vergangenen Dezember berechnet die Bahn ihre Preise neu. Die Veränderung ist gravierend, der Grundgedanke ist richtig: Wer früh bucht, soll billiger reisen, wer sich seine Optionen bis vor die Abreise offen halten will, zahlt mehr. Oder ökonomisch formuliert: Die Bahn lenkt über die Preise die Auslastung ihrer Züge. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber sinnvoll.

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Von den Kunden verlangt es, dass sie umdenken. Das verweigern viele von ihnen. Sie wollen nach alter Gewohnheit zum Bahnhof gehen, Ticket lösen und einsteigen – und dabei so wenig Geld ausgeben wie möglich. Zu Recht hat die Bahn darauf hingewiesen, dass sie Bahnfahren nicht für jedermann billiger machen kann, dass das neue Preissystem es aber vielen erlaubt, bei entsprechender Vorausplanung zu sparen. Dass diese Botschaft nicht angekommen ist, ist ein schweres Manko. Dass die Bahn ärgerlich hohe Umtauschgebühren verlangte oder kleinliche Schikanen vor den Preisnachlass setzte, mehrte zudem den Volkszorn.

Dabei stand einer stets hinter den jetzt geschassten Managern Hans-Gustav Koch und Christoph Franz: der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn. Ohne Einschränkung befürwortete er die Preisreform und rühmte ihren Nutzen für eine zukunftsträchtige Bahn. Wer einen Zusammenhang zwischen den neuen Preisen und den rückläufigen Umsätzen im Fernverkehr herstellte, setzte sich dem Zorn desBahnchefs aus. Die miese Konjunktur, da ließ er keinen Zweifel zu, sei allein verantwortlich für die schlechten Geschäftszahlen.

Damit nicht genug. Mehdorn verschonte auch die Bahnkunden nicht mit seinem Groll. Fast unflätig wies er Kritik zurück, beleidigte Fahrgastverbände, zog über Konkurrenten her. Aber der Mann braucht nichts zu fürchten. Sein alleiniger Aktionär ist der Bund, und der Bundeskanzler hält unverbrüchlich zu ihm. Wohl auch, weil er weiß, wie schwierig es wäre, die Spitze des verlustträchtigen, von der Modernisierung erschütterten Unternehmens neu zu besetzen.

Der Vertrag von Mehdorn wurde jetzt vorzeitig und ohne Not bis 2008 verlängert. Auch das die falsche Entscheidung.

Klaus-Peter Schmid

Service