medizin Von der Ruhe der SeeleSeite 4/4

Natürlich, sagt Nagel, als er einen uralten Saab durch das fliedertrunkene Augsburg steuert, natürlich können Christen ganz verschiedene Haltungen einnehmen und zweifeln, natürlich ist die Humanität keineswegs aufs Christentum beschränkt, „natürlich, aber ich will meinen Standort kenntlich machen. Ich bin den Menschen im christlichen Bekenntnis am nächsten.“ Am nächsten im Bekenntnis, am nächsten in der ärztlichen Extremsituation. Nach Gemütlichkeit klingt das nicht. Längst ist er allein in irgendeinen Zug zur nächsten Kommissionssitzung im Süden gestiegen, da ist diese Frage noch übrig: Woher Nagels Ruhe kommt? Zu spät.

„Du sollst ein Segen sein“, empfiehlt auf seinen Plakaten der bevorstehende Berliner Kirchentag. Die Plakate hängen auch im Augsburger Klinik-Wartezimmer an den Wänden. Sie zeigen einen Vater im U-Bahn-Schacht, ein Zug rast davon, der Mann hat sein Kind auf dem Arm. Du sollst ein Segen sein: als stehe fest, was das heißt, wie das geht.

 
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