Psychologie Im Herzen geborgenSeite 2/2
Largo/Czernin lassen diese Mehrheiten nicht beiseite, sie stellen viele solcher kreuzunglücklichen Scheidungsbeispiele vor (bei denen dann noch kinderfeindliche Neupartner alles verschlimmern), und sie können hier auch keinen Weg weisen, auf dem die Kinder „glücklich“ werden. Was sie vorschlagen, ist Schadensbegrenzung, die Ängste abbaut und Schuldzuweisungen vermeidet. Sie laden im Übrigen nicht den gesamten Problemberg auf den Schultern der Eltern ab, sondern fordern vor allem das soziale Umfeld auf, statt mit Rückzug oder frommer Scheu – oder gar Häme – mit tätiger Unterstützung zu reagieren: Eine Oma, ein Onkel, eine Freundin der Mama oder eine große Schwester, die jetzt immer kommen, um die Kinder „aufzufangen“, können von großem Nutzen sein – und natürlich die Betreuungseinrichtungen, die in weit größerer Anzahl und besserer Qualität gebraucht werden. Eine Erzieherin, die das Kind in seinem ersten Kummer zu trösten vermag, ist eine unschätzbare Hilfe. Die Botschaft lautet: Eltern allein schaffen es nicht immer, helft ihnen – schon um der Kinder willen.
Dass Liebe vergeht, ist Schicksal
Dazu gehört, dass sich die unterschwellige gesellschaftliche Verurteilung der Scheidung als „Versagen“ aufhört und Menschen begreifen: Es gibt so etwas wie Schicksalsschläge. Dass Liebe vergeht, ist Schicksal, dass ein Paar nichts mehr füreinander empfindet und sich trennen muss, das kann wichtige (Selbst-)Erkenntnis sein und eine richtige Entscheidung. Kindern aber die Kosten in Form von Psychoschäden aufzubürden darf nicht sein, sagen Largo und Czernin. Ihr Buch Glückliche Scheidungskinder mit seinen vielen Tipps und Fallinterpretationen kann unbedingt nützliche Lebenshilfe sein, das Versprechen jedoch, das der allzu euphemistische Titel gibt, ist uneinlösbar. Weder die Autoren noch die verständnisvollsten Eltern können das Glück im Unglück garantieren.
Remo H. Largo/Monika Czernin: Glückliche Scheidungskinder
Trennungen und wie Kinder damit fertig werden; Piper Verlag, München 2003; 333 S., 19,90 Euro
- Datum 22.05.2003 - 14:00 Uhr
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- Serie sachbuch
- Quelle (c) DIE ZEIT 22.05.2003 Nr.22
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