Sichtverhältnis Dorfschönheiten

Anna, 17 Jahre (Detmold)

Ich fühle mich nicht schön, aber auch nicht hässlich – normal halt. Seit ich 13 bin, pfeifen mir die Jungs hinterher. Ich habe mich daran gewöhnt. Ich gucke auch nicht zu denen hin oder lache. Ich schaue auf den Boden oder nach rechts oder links.

Den einen oder anderen Verehrer habe ich schon, aber ich habe ja auch meinen Freund. Den habe ich in der Disco kennen gelernt. Meine Schwester hat gesagt: »Guck mal, wie findest du den Typen da? Ich hab gehört, der findet dich ganz süß.« Da habe ich ihn angeguckt, und er hat mich nach meiner Handy-Nummer gefragt.

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Am nächsten Tag sind wir Eis essen gegangen, und dann ist es irgendwie so gekommen, er hat mich einfach geküsst. Das war hinter der Kirche an einem kleinen See auf der Brücke. Es war nachmittags und warm, und überall waren Blumen. Man hat nur die Enten gehört. Ich hatte meine Caprihose an und stand am Geländer, er davor. Wir haben uns fünf Minuten geküsst, ich war ganz durcheinander, und auf einmal haben seine Eltern angerufen. Die wollten an dem Tag nach Bosnien fahren. Er hat dann zu Hause Ärger gekriegt, aber er hat zu seiner Mutter gesagt: »Sie ist es wert.«

 
  • Quelle (c) DIE ZEIT 22.05.2003 Nr.22
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  • Schlagworte Bosnien und Herzegowina | Brücke | See | Detmold
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