Sichtverhältnis Dorfschönheiten
Kim, 16 Jahre (Dörentrup)
Ich möchte weg aus Dörentrup! Ich will Abi machen und studieren, vielleicht in Köln oder Bielefeld. Hier ist es so langweilig. Um halb elf gehen die Lampen aus, und das war’s dann. Wir haben kein Kino, keine Disco, keine netten Kneipen, nur ein Jugendzentrum. Ich gehe gerne abends aus, aber das bedeutet hier: organisieren. Meine Mutter anbetteln, dass sie mich in die Stadt bringt. Das Sammeltaxi anrufen, das aber nur bis elf fährt. Oder einen Freund auftreiben, der schon den Führerschein hat.
Dorfleben heißt auch: Jeder kennt jeden. Nichts bleibt geheim. Ob sich zwei geküsst haben oder miteinander gestritten – am nächsten Tag tratscht das ganze Dorf. In der Stadt muss man sein Privatleben nicht mit der halben Nachbarschaft teilen. Und man trifft auch mal jemanden, den man nicht schon seit dem Kindergarten kennt. Für mich hat Dörentrup nur einen Vorteil: Ich kann hier toll mit meinem Hund Dulle spazieren gehen.
Als meine Schwester Catharina gemodelt hat, fand ich das prima. Aber für mich wäre das nichts gewesen. Nach dem Abi werde ich einen normalen Beruf lernen – und mich von Catharina beraten lassen, wenn ich samstags richtig schick ausgehen will.
- Datum 22.05.2003 - 14:00 Uhr
- Quelle (c) DIE ZEIT 22.05.2003 Nr.22
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