Sichtverhältnis Dorfschönheiten
Sandra, 16 Jahre (Schwelentrup)
Neulich war ich in Rom und dachte, o je, niemals möchte ich hier leben. Überall Autos, Lärm und Gestank. Die Menschen hetzten über Straßen und Plätze, man brauchte ewig, um von A nach B zu kommen. Mir würde es gar nicht gefallen, in der Stadt zu wohnen.
Hier in Schwelentrup brauche ich bloß um die Ecke zu biegen und stehe im Wald. Ich laufe fünf Minuten und bin bei meinem Freund. Ich radele zehn Minuten und bin bei einer guten Freundin. Es ist ruhig und grün. Rings um das Dorf sind Wiesen, auf denen wir im Sommer zelten und grillen. Mir gefällt es auch, dass hier im Dorf die Gemeinschaft so wichtig ist. Wenn zwei sich streiten, vertragen sie sich meist schnell wieder – sich aus dem Weg gehen oder neue Freunde suchen geht ja fast nicht. Die Leute feiern zusammen, kaufen in denselben zweieinhalb Lädchen ein, helfen sich bei Reparaturen. Natürlich – abends ist hier nicht viel los. Aber wir haben tolle DJs. Wenn die auflegen, kommen sogar Leute aus Köln oder Hannover zu uns ins Dorf! Ich möchte in Schwelentrup bleiben. Deshalb habe ich mir in der Nähe einen Ausbildungsplatz zur Heilerziehungspflegerin gesucht.
- Datum 22.05.2003 - 14:00 Uhr
- Quelle (c) DIE ZEIT 22.05.2003 Nr.22
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