Sichtverhältnis Dorfschönheiten
Natalie, 19 Jahre (Extertal)
Dorfschönheit – dabei denke ich an ein Bauernmädel mit Rock und rosigen Wangen. So sehe ich nicht aus, und außerdem stamme ich überhaupt nicht aus einem Dorf: Bis vor elf Jahren habe ich in einer Stadt in Kasachstan gelebt.
Auf mein Aussehen werde ich allerdings immer mal wieder angesprochen. In der Disco, in der ich arbeite, geben mir häufig Gäste Cocktails aus. Ich freue mich über die Komplimente – und wahrscheinlich wird jeder Mensch selbstbewusster, wenn er weiß, dass andere ihn attraktiv finden.
Mein Traum ist es, Modedesign oder Grafik-Design zu studieren. Schon jetzt mache ich viel mit Kunst und verfolge genau die neuesten Modetrends. Meine Klamotten wähle ich sorgfältig aus – sie sollen bequem sein und zu meiner Persönlichkeit passen. Wenn ich Mode entwerfen will, muss ich natürlich weg aus Extertal. Eine mittelgroße Stadt wie Bielefeld wäre mir am liebsten.
Ich werde dem Dorfleben nicht nachtrauern – schlecht finde ich es aber auch nicht. Die Jugendlichen eines Dorfes sind wie eine große Clique, nie ist man allein, und auf jeder Party trifft man Dutzende Bekannte. Wären wir aus Kasachstan in eine deutsche Großstadt gezogen, wären wir vielleicht erst mal ziemlich einsam gewesen. Hier wurden wir gleich in die Gemeinschaft aufgenommen.
- Datum 22.05.2003 - 14:00 Uhr
- Quelle (c) DIE ZEIT 22.05.2003 Nr.22
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