wut am steuer

          Dieser vergessene Autofahrergruss soll für »E« wie
          
          »Entschuldigung« stehen

Dieser vergessene Autofahrergruss soll für »E« wie »Entschuldigung« stehen

Entschuldige mal!

Drei Finger für mehr Höflichkeit: Mit diesem Handzeichen wollte der ADAC im Jahr 1968 die Wut am Steuer dämpfen. Genützt hat es nichts. Zum hundertsten Geburtstag des Automobilvereins eine Zwischenbilanz des täglichen Straßenkampfs

Autofahren ist gefährlich, manchmal gefährlicher, als man denkt. Vor ein paar Wochen scherte auf der A92 bei München dicht vor der Fahrerin eines BMW ein anderer Wagen ein. Dessen Beifahrer lehnte sich weit aus dem Fenster, zielte präzise und schleuderte der Frau den Kopf eines Vorschlaghammers entgegen. Das 3-Kilo-Geschoss krachte durch die Frontscheibe des BMW und schlug auf dem Rücksitz ein. Die Fahrerin konnte von Glück sagen, sie blieb unverletzt. »Beispiellos«, meint die Polizei.

Irrtum. Da raste ein 22-Jähriger mit seinem VW-Transporter im Zickzack durch Hamburg, schnitt mehrmals den Wagen eines 54-Jährigen, drängte ihn fast in den Gegenverkehr. Dessen 20-jähriger Sohn saß ebenfalls im Auto und stellte den Kamikazefahrer zur Rede, worauf der ihn zum Aussteigen aufforderte. Die beiden prügelten sich mitten auf der Straße. Bis der Sohn genug hatte und sein Handy zückte, um die Polizei zu rufen. Da sprang der Angreifer in seinen Transporter und raste davon, und selbst dass sich ihm sein Kontrahent in den Weg stellte, störte ihn nicht – er nahm ihn einfach auf die Motorhaube. Nach hundert Metern Höllenfahrt konnte ein dritter Straßenkämpfer Mr. Amok endlich ausbremsen. Ein Wunder, dass es auch bei dieser Konfrontation keine Verletzten gab.

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Weniger Glück hatte ein 19-Jähriger, der in Bremen mit seinem Bruder einen Lastwagen ausparken wollte. Ein anderes Auto stand im Weg, doch dessen Fahrer dachte nicht daran, zu weichen. Als der 19-Jährige darauf beharrte, zückte der Blockierer eine Pistole und schoss. Der junge Mann starb.

Jagdszenen auf deutschen Straßen. Krasse Einzelfälle, zugegeben – aber scheinbar doch symptomatisch. Richter und Staatsanwälte jedenfalls, die täglich mit Verkehrsdelikten zu tun haben, raunen, auf dem Asphalt entlade sich so viel Aggressivität, dass man froh sein könne, wenn es nur beim Faustrecht bleibe. Die Klage über das Verlottern der Sitten ist nicht neu. Ist sie auch berechtigt? Ist Verrohung tatsächlich eine zwangsläufige Begleiterscheinung des Autofahrens, die wir in Kauf zu nehmen haben wie schon die Verpestung der Umwelt, das Zupflastern grüner Flächen und das Opfern von knapp 7000 Menschenleben im Jahr?

Die Beweislage ist kompliziert. Die Polizei sagt, sehr aggressive Verhaltensweisen nähmen im Straßenverkehr zu, neuerdings auch bei Frauen. Doch Zahlen gibt es nicht. Verurteilungen wegen Gefährdung des Straßenverkehrs oder Verstoßes gegen das Straßenverkehrsgesetz sind sogar rückläufig. Das kann aber damit zusammenhängen, dass man für ein Verfahren erst einen Kläger braucht, der Zeit und Nerven opfert, um bei überlasteten Polizisten Anzeige zu erstatten, Zeugen zu suchen und eventuell vor Gericht auszusagen.

Zuverlässiger gibt eine eben fertiggestellte Umfrage von EOS Gallup im Auftrag der Organisation Responsible Young Drivers Auskunft, zumindest über die subjektive Befindlichkeit im Straßenverkehr. Drei Viertel der befragten deutschen Autofahrer ärgern sich demnach über das Verhalten anderer Fahrer. 57 Prozent fühlten sich im vergangenen Jahr als Opfer von Aggression, und 53 Prozent räumten ein, sie hätten sich selbst schon aggressiv verhalten. Das Problem sei allgegenwärtig, resümieren die Forscher.

Allerdings, die gefühlten Werte des Unbehagens sind in den letzten drei Jahren nicht angestiegen. Macht sich also im Inneren der blechgepanzerten Masse allmählich doch Vernunft breit? Oder ist längst der Zustand erreicht, bei dem zwar unwissende Besucher aus Übersee den Mietwagen nach ein paar Autobahnkilometern geschockt zurückgeben und lieber Bahn fahren, wie am Frankfurter Flughafen geschehen – aber die anderen, wir alle haben uns an den ganz alltäglichen Kampf auf den Straßen schlicht gewöhnt? Die Verfasser der Studie scheinen Letzterem zuzuneigen; sie warnen eindringlich davor, die permanente Hochspannung hinterm Lenkrad als Selbstverständlichkeit hinzunehmen.

Der ADAC weiß, was seine Mitglieder wollen. Nur einmal irrte er

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