Politik

Reformen: Weil Deutschland sich ändern muss

Die Generation von heute hat die Demokratie geerbt, den Sozialstaat und die deutsche Einheit. Unsere Löhne sind die höchsten, unsere Ferien die längsten. Und wir sollten zum Umbau nicht fähig sein? Wollen wir auch Weltmeister im Jammern werden?

Die Unerschrockene

Ob in Burundi oder in Guantánamo: Wer für die Menschenrechte kämpft, erlebt harte Zeiten - wie Irene Khan, Chefin von amnesty international

Der Irak: In einem besetzten Land

Der Ausgang des Krieges entscheidet sich im Frieden. Alles redet vom Wiederaufbau – doch davon ist nichts zu sehen. Die Besatzer sind ratlos, es wird weiter geplündert. Eine Reise durch den Irak

Aussenminister: Der Vielgestaltige

Die Debatte um Joschka Fischers Nachfolge ist längst im Gang. Wer ihn beerben wollte, müsste allerdings die Grünen neu erfinden

Bremen: Die Scherf-Show „Natürlich.“

Bremen vor der Wahl: Die Große Koalition kann beachtliche Erfolge vorweisen – auf Kosten der ganzen Republik Ach ja, der Bürgermeister. Man muss die Scherf-Show einmal erlebt haben, dieses Händeschütteln und Schulterklopfen, „na, ihr Lieben“, man muss gesehen haben, wie sich der Zweimetermann seinen Weg durch die Fußgängerzone herzt, und man muss die ungeheure Speicherkapazität seines Hirnes für Anekdoten zu diesem und jenem und seine blitzschnellen Wechsel zur klaren Analyse bestaunt haben, um zu ermessen, wie wichtig Henning Scherf für seine Stadt ist. Ohne ihren Bürgermeister, davon darf man getrost ausgehen, würde die Bremer SPD im Sog der Bundespartei in den Abfluss strudeln und Bremen im schlimmsten Fall gleich mit.

Terror: Ground Zero in Arabien

Die Anschläge in Riad und Casablanca gehen auf das Konto einer neuen Al-Qaida-Generation. Sie bombt gegen muslimische Regime

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Dossier

spanien: Die Toten kehren heim

Ein Tabu ist gebrochen: Spanien stellt sich seiner Geschichte. Zum ersten Mal wird überall im Land nach den verscharrten Opfern der Franco-Diktatur gesucht

wahlen: Gereiztes Klima

Spanien wählt: Das Land steht vor einer schweren Krise, wie schon einmal, nach Francos Tod

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Wirtschaft

Stabilitätspakt: Eingeschnürt und abgewürgt

Der Wirtschaft geht die Luft aus, die Staatsverschuldung steigt. Doch Brüssel beharrt auf dem Stabilitätspakt. Wenn Hans Eichel den Vorgaben folgt, spart er das Land kaputt

„Die Menschen zweifeln“

Früher galt er als linker Sozialdemokrat, heute führt er die konservative Bundesbank. Ernst Welteke über Sparen in der Krise, soziale Reformen und politische Kampfbegriffe

arbeit: Arbeit für 4,90 Euro

Erwerbslose sollen Billigjobs annehmen, fordert der Kanzler. Wie sehen diese Jobs aus, und wie kann man davon leben?

Bau nicht auf mich, Argentinien

Mit gigantischen Investitionsprojekten will der neue Präsident Nestor Kirchner das Land sanieren. Doch er hat weder Geld noch die notwendigen Mehrheiten für seine Pläne

Wälder zu Grabstätten

Nordrhein-Westfalen will private Konkurrenz für Friedhöfe. Kirchen und die CDU fürchten das Ende der Bestattungskultur

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Wissen

Geflügelpest: High Huhn in Viersen

Wie die Geflügelpest einen Bauernhof in der niederrheinischen Provinz traf und die Katastrophe mit viel Glück noch abgewendet werden konnte. Eine Geschichte über die Angst vor der nächsten Epidemie

medizin: Von der Ruhe der Seele

Der Chirurg Eckhard Nagel führt ein Leben zwischen Krankenbett, Kirchentag und Rürup-Kommission. Er leitet das Zentrum für Transplantationsmedizin am Klinikum Augsburg, lehrt in Bayreuth, ist Mitglied des Nationalen Ethikrates und einer von drei Präsidenten des Kirchentages, der kommende Woche beginnt. Trotz seiner zahlreichen Ämter ist der Doktor der Medizin und Philosophie öffentlich kaum bekannt. Nagel, Jahrgang 1960, ist verheiratet und Vater von drei Töchtern

agrartechnik: Brandenburger Reifeprüfung

Mit einem Sensorhandschuh lässt sich die Qualität von Früchten durch einfaches Berühren messen. Davon könnten Obstbauern ebenso wie Supermarkt-Kunden profitieren

biomedizin: Rätselhafter Scharfblick

Die Moken-Kinder in Thailand können unter Wasser besser sehen, als der Augenarzt erlaubt. Forscher wollen klären, wie ihnen das gelingt

technik: Tipp und weg

Ein Anachronismus lebt wieder auf: Der Computer, der nichts als schreiben kann – aber das 500 Stunden lang

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Feuilleton

Film: Schluss mit der Anpasserei!

Warum läuft wieder kein deutscher Film im Wettbewerb von Cannes? Weil unser Geschmack provinziell ist. Weil wir nur das Erfolgreiche nachahmen. Weil uns der Mut zum Neuen fehlt

Matrix Reloaded: Nichts als digitale Dönekes In Cannes jedenfalls entwickelte die Marketing-Matrix der Warner Brothers ihre ganze beeindruckende Dominanz, die sich zumindest auf das in überlebensgroße Keanu-Reeves-Transparente gehüllte Hotel Carlton einigermaßen dekorativ auswirkte. Busladungen voller Journalisten, die im Luxushotel am Cap d’Antibes einen ganzen Tag lang zusammengepfercht wurden für Vier-Minuten-Interviews mit den Filmdarstellern, sowie ein gigantomanisches Themen-Feuerwerk über der Côte d’Azur, das die vom Festival initiierten Schriftprojektionen der Installationskünstlerin Jenny Holzer wie lächerlichen Kinderkram hinwegwischte, lassen die kommerziellen Übergrößen erahnen, um die es hier geht – MATRIXXXL titelte die französische Tageszeitung Libération am Tag nach der Festival-Premiere. Ein Videospiel, für das mehrere zusätzliche Filmstunden gedreht wurden, sechs computeranimierte Kurzfilme, die in den Kinos seit Wochen einen aufgesplitterten Prolog der Saga ergeben, verbinden sich mit der Wucht einer weltweiten Franchisingkampagne. Auch die Deutsche Bahn bringt ihre Kunden mit „im Stil von Matrix gehaltenen Sonderzügen zum Kinoereignis 2003“. Während sich der Hype um Matrix Reloaded also nach den vertrauten medienökonomischen Parametern konstruiert, erscheint der seinerzeit eher überraschende Kult um den ersten Teil im Rückblick als komplexes Trend- und Zeitgeistphänomen. In einer bisher nie dagewesenen Weise konnte jeder an die Matrix andocken: Multiplexproleten und Bildungsbürger, philosophische Shootingstars und Cyberfreaks. Die Filmhelden Neo, Trinity und Morpheus wurden mit ihren schwarzen Ledermänteln und Sonnenbrillen zum Inbegriff einer so cool designten wie unbestimmten Rebellion gegen die heimtückische Autorität der binären Zahlenkolonnen, gegen Codes und Programme, gegen das Virtuelle, seine künstlichen Räume und Simulacren.

„Matrix Reloaded“ macht aus der Hacker-Guerilla pflichtbewusste High-Tech-Kämpfer Natürlich ist der Verdacht, dass unsere Wahrnehmung auf einer einzigen groß angelegten Illusion beruht, so alt wie die Welt, finden sich die Vorläufer der Matrix-Idee in Platons Höhlengleichnis genauso wie in Condorcets Wahrnehmungskritik, der marxistischen Verdinglichung oder Adornos allmächtiger Kulturindustrie. Dass es aber ausgerechnet einem Actionfilm gelingt, medienphilosophische Fragen auf massenwirksame Weise zu formulieren, wurde zur Herausforderung für eine akademische Welt, die plötzlich begeistert ihre eigene Anschlussfähigkeit an ein Produkt der Populärkultur entdeckte und sich in Publikationen wie philosophischen Symposien dem „epochalen Schwellenfilm“ (Elisabeth Bronfen) stellte. „Hier wird eine Philosophie in der Filmform gemacht, mit der man kaum konkurrieren kann“, schreibt Boris Groys, der in Matrix gar den Tod der Philosophie zu erblicken glaubt. „Welcome to the real world“ – die emblematische Matrix-Zeile sowie die elegante filmische Osmose zwischen vermutlicher Wirklichkeit und virtueller Scheinwelt machten den Blockbuster zum ewig hungrigen Fleischwolf der Theoreme, durch den bald jeder angesagte Philosoph und Kulturwissenschaftler seine Thesen drehte. Mit der Steifheit eines Professors, der etwas erstaunt über den Rand seiner Lesebrille schaut, konzedierte etwa Peter Sloterdijk, dass durch den Film der Wachowski-Brüder „die Vorausahnungen einer mehrwertigen Ontologie von der Hermetik innerhalb der Nietzscheschen und Heideggerschen Diskurse überspringen in die massenkulturelle Anschauung“. Kurz: Matrix brachte die Philosophie in die Multiplexe.

Stammzellen: Revolution in der Petrischale

Was ist eigentlich aus der Debatte über die Biotechnologie geworden? Es gibt aufsehenerregende Forschungen, und das Embryonenschutzgesetz steht auf dem Spiel. Aber niemand will darüber diskutieren

Israel: Verdrängtes Erbe

Einst war Bagdad eine Heimat jüdischer Kultur, dann kam die Vertreibung. Jetzt planen israelische Intellektuelle eine Wiederannäherung

Musik: Kopf und Bauch

Der Komponist Wolfgang Rihm erhält in diesem Jahr den Siemens-Preis, der als Nobelpreis des Musikbetriebs gilt

Porträt: Waschbeton mit Goldrand

Sie sind große Immobilienkaufleute und noch größere Mäzene. Viele Millionen spenden die Greves aus Hamburg für die Künste. Nur für die Kultur des Bauens haben sie nichts übrig

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Chancen

Gefragt

Experte fürs Scheitern: Pater Martin Löwenstein, 42, hilft arbeitslosen Bankern

bildung: Mund auf, bitte!

Über 16000 Schüler machen mit beim Rhetorikwettbewerb „Jugend debattiert“. Trainiert werden sie von ihren Lehrern

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