Der Knabe ist frühreif und hoch intelligent. Aber das Geschenk, das ihm sein Vater zu Füßen legt, scheint denn doch ein paar Nummern oder Quadratkilometer zu groß. Als Sultan Murad II. 1444 beschließt, zugunsten seines zwölfjährigen Sohnes Mehmet II. abzudanken, ist das Reich der Osmanen eine europäische Großmacht, ein Flächenstaat, der im Nordwesten über den halben Balkan und im Nordosten bis auf die Krim reicht. Er umfasst das westliche Thrakien, weite Teile Kleinasiens und hat mit Adrianopel (dem heutigen Edirne) auch eine europäische Hauptstadt. Mitten darin, wie eine Insel: Byzanz, Ost-Rom beziehungsweise das, was von Byzanz, von Ost-Rom geblieben ist – das heilige Konstantinopel.

Der junge Sultan muss den Umgang mit der Macht noch lernen. Er widerspricht seinen Beratern, zeigt sich eigensinnig und hochmütig, bringt den Hof und das Heer gegen sich auf. Sein erstes Ziel: Er will die Stadt am Goldenen Horn seinem Reich endlich einverleiben, doch die Wesire weisen dem Bengel seine Grenzen. Schließlich greift der Vater ein, kehrt aus dem Vorruhestand zurück und schickt den Sohn in fürsorgliche Verbannung. Die Wogen glätten sich. Als Murad 1451 an Herzversagen stirbt, hinterlässt er ein geordnetes Staatswesen.

Mehmet ist nun 19 Jahre alt. Er spricht fließend Griechisch, Arabisch, Lateinisch, Persisch und Hebräisch, ist mit Naturwissenschaften und Philosophie, islamischer und griechischer Literatur vertraut. Zeitzeugen beschreiben ihn als kühl und zurückhaltend; nur wenn er getrunken habe, verliere er die Kontrolle. Als er die Witwe seines Vaters empfängt, eilen seine Diener in den Harem, um ihren kleinen Sohn zu ertränken. Niemand soll ihm je seine Macht streitig machen.

Auch die strategischen Ziele des jungen Sultans sind klar. An seinem Kindheitstraum hält er fest: Konstantinopel. Die Stadt ist zum Fremdkörper im türkischen Territorium geworden. Das Reich, das sie einmal ernährte, gibt es nicht mehr, die Osmanen haben es erobert. Die alte Hauptstadt des oströmischen Kaiserreiches, das schimmernde Byzanz, stolzes Heiligtum und im hochfahrenden Selbstverständnis bessere Hälfte des christlichen Abendlandes, ist ein bloßer Schatten seiner Geschichte, die Ohnmacht der Kaiser offenkundig. Seit 1373 sind sie, die rechtmäßigen Erben Augustus’ und Konstantins des Großen, verpflichtet, dem Sultan als oberstem Lehnsherrn Tribut zu zahlen und bei Bedarf Militärhilfe zu leisten.

Statt einer Million Menschen im 12. Jahrhundert leben vielleicht hunderttausend in den Mauern der Stadt. Ruinen gehören zum Straßenbild, aus dem die Kathedrale der Heiligen Weisheit Gottes, die Hagia Sophia, wie eine schützende Glucke des rechten Glaubens herausragt. Auch der Handel bringt keine Reichtümer mehr. Die Stadt musste lukrative Privilegien an die Genueser abgeben, die am anderen Ufer des Goldenen Horns, in Pera, ihren Handelsplatz errichtet haben. In Konstantinopel gibt es eine venezianische Kolonie; Kaufleute aus Ancona, Florenz und Ragusa (dem heutigen Dubrovnik) unterhalten eigene Straßen, Händler aller Konfessionen aus Spanien und Armenien gesellen sich dazu. Aber die Gewinne fließen kaum noch in die Schatullen der Stadt.

Ein Christ baut für die Türken die Mutter aller Kanonen

Und doch ist das Geistesleben am Bosporus lebendig, fruchtbarer als je zuvor im byzantinischen Reich. Griechische Philosophen legen den Grundstein zur Renaissance in Europa, zur neuen Blüte Roms. Dort wirkt Papst Nikolaus V., ein erfahrener Diplomat und gebildeter Humanist. Er gründet die Vatikanische Bibliothek, bewundert die griechischen Gelehrten und müht sich redlich, ein christliches Bündnis gegen die drohende Türken-Gefahr zu schmieden. Dies umso mehr, als Konstantinopel endlich zum rechten Glauben zurückgekehrt ist. Der alte Streit um die Einfügung des Wortes filioque ("und dem Sohne") ins Credo und darum, ob das Brot beim Abendmahl gesäuert oder ungesäuert zu sein habe, ist offiziell beigelegt. Es war ein mutiger und wohl auch verzweifelter Schritt, als Konstantinopels Kaiser Johannes III. Paläologos gemeinsam mit seinem Patriarchen zum Konzil nach Florenz reiste, um nach zähen Palavern der Vereinigung beider Kirchen zuzustimmen.

Doch die Westmächte lassen sich vom Papst nicht zu einem Militärbündnis bewegen. Sie sind viel zu sehr mit sich beschäftigt. Venedig führt Krieg in der Lombardei. Genua weist den Podestà von Pera an, neutral zu bleiben, falls die Stadt am anderen Ufer angegriffen würde. Ragusa hält sich zurück, Alfonso, König von Neapel, schickt zwar auf Kosten des Papstes eine Flotte, ruft sie aber bald zurück, weil er sich inzwischen mit den Venezianern im Krieg gegen Mailand verbündet hat. Und das christliche Ungarn ist nach mehreren Niederlagen gegen die Osmanen kampfmüde.

Auch in Konstantinopel hat es einen Machtwechsel gegeben. Johannes stirbt 1451, Konstantin XI. Paläologos folgt seinem älteren Bruder auf den wackligen Thron. Er ist 47 Jahre alt, ein Mann mit dunkler Haut, ebenmäßigen Gesichtszügen, groß und hager. Er gilt als redlich und als der Fähigste unter seinen Brüdern. Doch in der Stadt muss er große Widerstände überwinden. Denn fast die gesamte Geistlichkeit hat gegen die Vereinigung der Kirchen mobil gemacht. Es kommt zu antilateinischen Ausschreitungen.

Inzwischen verfolgt der Sultan weiter sein Lieblingsprojekt. An der engsten Stelle des Bosporus hat er eine Festung errichten lassen, die mit schwerem Geschütz die Meerenge kontrolliert. Die Armee wird aufgerüstet. Griechische Quellen erzählen von 300000 bis 400000 Mann, die Mehmet um Konstantinopel aufmarschieren lässt, nüchterne Schätzungen nennen rund 80000 Mann reguläre Truppen plus 20000 Baschi-Bazuks, alliierte Söldner, und mehrere tausend Menschen im Tross. Die Türken führen eine gewaltige Kanone mit sich, die von 15 Ochsengespannen gezogen wird – das Werk eines Christen.

Im Sommer 1452 hatte der ungarische Waffentechniker Urban dem Kaiser seine Dienste angeboten, doch der konnte ihn weder bezahlen noch mit den Materialien versorgen, die er verlangte. Also ging er zum Sultan, und baute die Mutter aller Kanonen, ein Monster mit einem acht Meter langen Bronzerohr und einem Durchmesser von 20,3 Zentimetern. Die Kugeln wogen mehr als 600 Kilogramm, flogen anderthalb Kilometer weit und sprangen beim Aufprall wie Streubomben in tausend Stücke.

Mächtig sind die Mauern von Konstantinopel, sechseinhalb Kilometer lang die dreifache Landmauer. Hinter dem Graben schützt eine zinnenbewehrte Brustwehr den breiten Laufgang vor der acht Meter hohen Außenmauer, die von viereckigen Türmen unterbrochen ist. Dahinter ragt, 20 Meter hoch, die Innenmauer empor, ebenfalls mit vorspringenden, soliden Türmen. Starke Schutzmauern umfassen die Stadt auch zum Bosporus und zum Goldenen Horn hin, 22 Kilometer insgesamt.

Doch die Zahl der Männer, die sie schützen sollen, ist bestürzend gering. Als der Kaiser die Häupter seiner Streitmacht zählen lässt, ist er geschockt. Es sind nicht einmal 7000 Mann, 4983 Griechen und rund 2000 Ausländer, Venezianer, Katalanen, Genuesen, die auf eigene Faust angereist sind, um den Belagerten zu helfen. Einer, Giovanni Giustiniani Longo, bringt 700 gut bewaffnete Soldaten mit. Dafür wird er Befehlshaber für die Verteidigung der Landmauern.

Die Belagerung beginnt. Urbans Kanone reißt tiefe Breschen in die Befestigung. Nach Einbruch der Dunkelheit schleppen Männer und Frauen Balken und Pfähle heran, bauen Sperren und Palisaden. Die Belagerung wird zu einem Krieg der Maurer und Zimmerleute. Abriss, Einsturz, Wiederaufbau. Tag für Tag stürmen die Türken, ohne Erfolg. Ihre Verluste sind groß.

Die Eingeschlossenen jubeln. Drei genuesische Galeeren und ein kaiserliches Frachtschiff mit Getreide und Lebensmitteln halten Kurs aufs Goldene Horn. Sofort macht sich die Übermacht der türkischen Flotte über sie her. Der türkische Admiral Baltoghlu hat seine besten Soldaten aufgeboten, viele tausend Riemen bewegen die Schiffe vorwärts. Doch schwerer Seegang behindert sie. Die Dieren und Trieren der Türken lassen sich schwer manövrieren, behindern sich gegenseitig, die Riemen geraten sich in die Quere. Die christlichen Kriegsschiffe sind durch ihre höheren Aufbauten überlegen. Es gelingt ihnen, hinter die schützende Schiffssperre zu gelangen, eine schwere Kette, die auf hölzernen Schwimmern ruht und das Goldene Horn abriegelt.

Zornig hat Mehmet die Schlacht vom Ufer aus verfolgt. Das Goldene Horn macht seine Strategie zunichte. Er will da rein, egal wie, und sei es auf dem Landweg. Vorsorglich hat er eine Straße vom Bosporus zum Goldenen Horn bauen lassen. Sie führt über einen bis zu 70 Meter hohen Hügel über den heutigen Taksim-Platz ins Tal der Quellen, das heute Kasimpasa heißt. Seine Leute hieven die Schiffe der Flotte mit Flaschenzügen an Land. Ochsengespanne ziehen Schiff um Schiff auf rollenden Tiefladern über den Berg. Und weil ein Krieg auch inszeniert werden will, sind alle Mann an Deck, bewegen Ruderer die Riemen in der Luft, brüllen Offiziere die Kommandos für den Taktschlag. Die Segel blähen sich im Wind, Trommeln, Pfeifen und Trompeten begleiten die merkwürdige Flottenparade. Am Ende sind 70 Schiffe über den Berg. Nun liegt Mehmets halbe Flotte direkt vor dem Hafen der Feinde, ist die Stadt von allen Zufuhren abgeschnitten.

Und Tag für Tag donnert Urbans Kanone, rennen Tausende Türken mit Haken und Sturmleitern gegen die notdürftig geflickten Palisaden, ohne sie überwinden zu können. Sie bauen Stollen, unterwühlen die Mauern, um sie zum Einsturz zu bringen. Die Verteidiger graben Gegenstollen, räuchern die Angreifer aus. Die Türken zimmern einen Turm auf Rädern, mit einer Plattform in Höhe der Außenmauern. In der Nacht wagen die Belagerten einen Ausfall, sprengen den Turm in die Luft.

Die Zahl der Opfer bei den Türken ist hoch, nur wenige Verteidiger sind bisher getötet worden. Doch viele sind verwundet. Nach annähernd sieben Wochen Belagerung wendet sich die Stimmung; die Hoffnung schwindet. Eine alte Weissagung raunt, die Stadt werde nicht fallen, solange der Mond zunehme. Am 24.Mai ist Vollmond. Ausgerechnet in dieser Nacht verdunkelt eine Mondfinsternis den Himmel. Gebete sollen helfen. Die heilige Ikone der Muttergottes wird durch die Straßen getragen, doch das Bildnis wankt, stürzt fast zu Boden. Ein Gewitter bricht über die Stadt herein, dicke Hagelkörner prasseln hernieder; die Straßen stehen unter Wasser. Die Prozession muss abgebrochen werden.

Am nächsten Tag liegt, ungewöhnlich für den Mai, dicker Nebel über der Stadt. Der Sultan macht ein letztes Friedensangebot. Gegen eine jährliche Tributzahlung von 100000 Goldbyzantinern würde er die Belagerung aufheben. Niemand kann eine solche Summe aufbringen. Einige Räte empfehlen dem Kaiser zu fliehen. Konstantin bleibt, verbindet sein Schicksal mit dem der Stadt.

Am Sonntag, dem 27. Mai, reitet Mehmet durch sein Lager. Seine Herolde verkünden, dass allen Kriegern drei Tage lang erlaubt sei, die Stadt zu plündern. Um Mitternacht hört alle Arbeit auf. Der Montag soll ein Tag der Ruhe sein. Die Männer sollen sich auf den Moment der Entscheidung konzentrieren. Sogar die Kanonen schweigen.

In der Stadt läuten die Glocken. Eine Prozession trägt Ikonen und Reliquien durch die Straßen. Aller Glaubensstreit ist vergessen. Griechen, Genueser und Venezianer, Orthodoxe und Katholiken, singen und beten. Der Kaiser schließt sich der Prozession an. Die Gläubigen strömen in die Kathedrale der Großen Weisheit. Orthodoxe und katholische Priester zelebrieren gemeinsam die Messe. "In diesem Augenblick", schreibt der englische Historiker Steven Runciman 1964 in seiner bewegenden Chronik der Ereignisse Die Eroberung Konstantinopels 1453 , "war die Kirche von Konstantinopel geeint."

Am Dienstag, dem 29. Mai 1453, beginnt der Sturmangriff. Gegen halb zwei Uhr morgens bricht er los, begleitet vom Heidenlärm der Trommeln, Pfeifen und Trompeten. Die Baschi-Bazuks, Mehmets Söldner, stürmen vor, es sind Abenteurer aus vielen Ländern, Slawen, Ungarn, Italiener, Griechen, gierig auf Beute, wild im Sturm, aber nicht sehr standfest im Kampf. Deshalb stellt der Sultan Militärpolizisten hinter ihnen auf, die ein Zurückweichen verhindern und Feiglinge töten sollen.

Eine Stunde vor Morgengrauen gerät der Angriff ins Wanken. Da bringt Urbans Kanone eine Palisade zum Einsturz. Dreihundert Osmanen stürmen jubelnd in die Bresche, doch der Kaiser umzingelt sie mit seinen Leuten, schlägt sie zurück. Der Angriff wird abgeblasen. Die Verteidiger triumphieren, stellen die Palisade wieder her. Die Türken kommen nicht voran.

Es ist ein Zufall, der das Schicksal der Stadt besiegelt. Eine kleine Ausfallpforte in der äußeren Mauer, ganz in der Nähe des kaiserlichen Palastes, vor vielen Jahren vermauert, doch kurz vor Beginn der Belagerung wieder geöffnet, um von dort aus Ausfälle gegen die Flanken des Feindes zu unternehmen. Irgendjemand vergaß, die Pforte zu verrammeln. Etwa fünfzig Türken stürmen hinein, die Byzantiner, die außerhalb der Mauern waren, drängen zurück. Sie hätten mit den Eindringlingen leichtes Spiel gehabt, wäre nicht ein zweites Unglück passiert. Kurz vor Sonnenaufgang wird Giustiniani, der Befehlshaber für die Verteidigung der Mauern, von einer Kugel aus einer Feldschlange getroffen. Er ist schwer verletzt, befiehlt seinen Leuten, ihn in Sicherheit zu bringen. Die Genuesen nutzen die Gelegenheit und rücken ab. Der Kaiser steht jetzt mit seinen Griechen allein vor der Mauer. Verzweifelt wirft er sich in den Kampf – und ward nie wieder gesehen. Das Ende Konstantins ist das Ende Konstantinopels.

Der Sultan stiftet ein neues Kreuz

Die Türken stürmen die Stadt, töten Männer, Frauen und Kinder, plündern Häuser und Kirchen, raffen Kostbarkeiten an sich, verbrennen Bücher und zerstören auch das heiligste Bild der Stadt, die Ikone der Muttergottes, die der Apostel Lukas dereinst gemalt haben soll. Als Mehmet das Ende der Plünderung verfügt, zählen seine Leute 50000 Gefangene, darunter 500 überlebende Soldaten, und 4000 Tote.

Der Sultan reitet zur Kathedrale der Heiligen Weisheit, verkündet die Umwandlung der Kirche in eine Moschee. Am nächsten Tag lässt er alles Plündergut vor sich ausbreiten und wählt seinen Teil der Beute aus. Die Gefangenen der großen byzantinischen Adelsfamilien behält er in seinem Besitz, die hübschesten Mädchen und schönsten Jünglinge reserviert er für seinen Serail. Hohe griechische Beamte, die in die Hände seiner Soldaten gefallen sind, löst er aus, die Venezianer lässt er hinrichten. In Siegerlaune schenkt er den bedeutendsten Machthabern der islamischen Welt, dem Sultan von Ägypten, dem König von Tunis und dem König von Granada, 400 griechische Kinder.

Die Nachricht vom Fall Konstantinopels erreicht erst einen Monat danach, am 29. Juni, Venedig. Am 8. Juli erfährt der Papst von der Katastrophe. Venedig reagiert diesmal schnell. Besorgt um die lukrativen Handelsbeziehungen, entsendet der Senat einen Botschafter mit 1200 Dukaten zum Sultan und beschließt, Geld und Besitztümer der Byzantiner in Venedig zu beschlagnahmen, um ausstehende Schulden zu begleichen. Der Papst erlässt eine Bulle an die Westmächte und fordert sie zum Kreuzzug auf. Doch niemand ist dazu bereit. Die Dichter des Abendlandes schreiben Klagelieder.

Mehmet II., der fortan den Titel "der Eroberer" trägt, zeigt sich souverän. Die Christen im Osmanischen Reich sollen sich selbst verwalten dürfen, unter der Amtsgewalt ihres kirchlichen Oberhauptes, des Patriarchen. Ein Mönch namens Gennadios soll es sein. Der Kaiser hatte ihn verbannt, weil er sich heftig gegen die Union mit der lateinischen Kirche gewehrt hatte.

Das feierliche Zeremoniell seiner Amtseinführung folgt byzantinischem Ritus. Der Sultan übernimmt die Rolle des Kaisers. Weil das Brustkreuz des Patriarchen in den Wirren der Eroberung verloren ging, stiftet der Sultan ein neues. Außerdem schenkt Mehmet dem Kirchenvater ein Pferd und garantiert ihm schriftlich die Unverletzlichkeit seiner Person, Steuerfreiheit, Schutz vor Absetzung und das Recht, diese Privilegien für immer und ewig auf seine Nachfolger zu übertragen. Spätere Sultane und Wesire werden sich allerdings nicht mehr so genau an dieses Versprechen erinnern könnnen.

Doch zunächst kehren Ruhe und Wohlstand ein. Die eroberte Stadt erlebt eine neue Blüte. Griechen kommen aus allen Teilen ihres besetzten Landes und Menschen aller Konfessionen: christliche Armenier, Juden, Türken. 1481, im Todesjahr des Eroberers, hat sich die Bevölkerung bereits vervierfacht. Das neue Konstantinopel heißt Istanbul, eine reiche Stadt, eine multikulturelle Metropole, im prachtvollen Schmuck ihrer Paläste und Moscheen, die architektonische Juwele sind. Ein Ort wie keiner: Eine orientalische Stadt im Abendland, eine abendländische Stadt im Orient.

Der Autor ist Journalist und lebt in Hamburg