eroberung Halbmond über dem Goldenen HornSeite 5/5

Das feierliche Zeremoniell seiner Amtseinführung folgt byzantinischem Ritus. Der Sultan übernimmt die Rolle des Kaisers. Weil das Brustkreuz des Patriarchen in den Wirren der Eroberung verloren ging, stiftet der Sultan ein neues. Außerdem schenkt Mehmet dem Kirchenvater ein Pferd und garantiert ihm schriftlich die Unverletzlichkeit seiner Person, Steuerfreiheit, Schutz vor Absetzung und das Recht, diese Privilegien für immer und ewig auf seine Nachfolger zu übertragen. Spätere Sultane und Wesire werden sich allerdings nicht mehr so genau an dieses Versprechen erinnern könnnen.

Doch zunächst kehren Ruhe und Wohlstand ein. Die eroberte Stadt erlebt eine neue Blüte. Griechen kommen aus allen Teilen ihres besetzten Landes und Menschen aller Konfessionen: christliche Armenier, Juden, Türken. 1481, im Todesjahr des Eroberers, hat sich die Bevölkerung bereits vervierfacht. Das neue Konstantinopel heißt Istanbul, eine reiche Stadt, eine multikulturelle Metropole, im prachtvollen Schmuck ihrer Paläste und Moscheen, die architektonische Juwele sind. Ein Ort wie keiner: Eine orientalische Stadt im Abendland, eine abendländische Stadt im Orient.

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Der Autor ist Journalist und lebt in Hamburg

 
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