„Man verliert viele Freunde“

Gierige Manager, überforderte Aufsichtsräte, machtlose Aktionäre – dem Land gehen die ehrbaren Kaufleute aus, sagt Jürgen Heraeus. Ein ZEIT-Gespräch mit dem Familienunternehmer

Die Zeit: Herr Heraeus, gibt es keine ehrbaren Kaufleute mehr?

Jürgen Heraeus: Es gibt sie noch, aber sie sind nicht mehr das Leitbild. Es ist ein Begriff, der an alte Werte erinnert, die jenseits von Geld liegen. Viele haben das vergessen. Wenn Manager heute untereinander vergleichen, wer der Beste ist, dann manchen sie es an ihren Bezügen fest.

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Zeit: Was zeichnet den ehrbaren Kaufmann aus?

Heraeus: Um es an einem Beispiel zu sagen: Als ich hier in den sechziger Jahren angefangen habe, wurde der gesamte Edelmetallhandel am Telefon abgewickelt, ohne schriftliche Bestätigung. Wenn dann einer am nächsten Tag sagte, er habe sich geirrt und wolle den Kauf gar nicht, dann wurde er aus der Community ausgeschlossen. Mit dem hat keiner mehr ein Geschäft gemacht.

Zeit: Warum funktioniert dieser Ehrenkodex heute nicht mehr?

Heraeus: Dahinter steckt ein Werteverfall in der gesamten Gesellschaft, nicht nur in den Unternehmen. Fehlende Werte werden durch juristische Klauseln ersetzt. Nichts läuft mehr ohne Juristen, es geht nur noch darum, alle rechtlichen Kniffe, Haken und Ösen richtig einzusetzen. Aber es gibt auch schon die ersten Fälle, wo der eine oder andere Manager merkt, dass es unabhängig von rechtlichen Fragen auch eine moralische Ebene gibt.

Zeit: Zum Beispiel?

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