Sicher, Deutschland ächzt unter einer zu hohen Steuer- und Abgabenlast. Die Tabaksteuererhöhung ist dennoch dringend notwendig. Denn entweder saniert sie die Gesundheit im System oder die Gesundheit des Menschen. 16000 Menschen könnte die erhöhte Tabaksteuer im Jahr das Leben retten.

Vor allem Kindern und Jugendlichen dürfte die Freude am Qualmen vergehen, trifft sie der zusätzliche Euro pro Schachtel doch besonders hart. Die Tabakindustrie hat in den letzten Jahren mit erschreckendem Erfolg Kinder und Jugendliche zu Rauchern gemacht. Manche greifen schon im Alter von neun Jahren zum Glimmstengel. Im Alter von 14 Jahren sind sieben Prozent der Jugendlichen nikotinabhängig. Jeder vierte Teenager raucht regelmäßig.

Und sind sie erst erwachsen, bereuen sieben von zehn Rauchern, dass sie zur Zigarette greifen. Doch aufhören lohnt immer, finanziell sowieso, und wer sich dem Rauchen entsagt, der freut sich schon bald über eine höhere Lungenkapazität und einen besseren Geschmacks- und Geruchssinn, ganz ohne Infektionskrankheiten, Durchblutungsstörungen, Asthmaanfälle und Rückenschmerzen. Nach fünf rauchfreien Jahren darf der Exraucher sogar wieder auf einen normal langen Lebensabend hoffen. Die Angst vor Herzinfarkt, Krebs, Impotenz, Unfruchtbarkeit, Bluthochdruck und Depressionen gehört dann der Vergangenheit an.

Das steigert die Lebensqualität und spart Kosten: 1,4 Prozent der gesamten Lohnkosten für Arbeitnehmer sind zigarettenbedingt. Bei jahrelangem Aufenthalt in stark verrauchten Arbeitsräumen ist das Lungenkrebsrisiko zweieinhalb mal so hoch wie an der frischen Luft. Den Beschäftigten im Gastronomiegewerbe kommt die Tabaksteuererhöhung besonders zugute: In Bars und Kneipen ist die Belastung durch Passiv-rauchen im Vergleich zu Büroräumen sechsmal so hoch. Die vehement beklagten Umsatzeinbußen in der Gastronomiebranche sind dabei nichts als heiße Luft.

Seit Jahren versucht die Zigarettenlobby die Angst zu verbreiten, dass mit einer Steuererhöhung Arbeitsplätze gestrichen würden. Doch US-Studien beweisen, dass die gesparten Ausgaben für Zigaretten sogar zu mehr Beschäftigung führen können. Für manche Entwicklungsländer wie etwa Bangladesch – das zu fast 100 Prozent Zigarettenimporteur ist – wurde von der Weltbank ein Nettozuwachs an Arbeitsplätzen von 18 Prozent errechnet.

Die Umsatzeinbußen der internationalen Tabakkonzerne werden auch in Deutschland die Nachfrage beflügeln, da die gesparten vier Euro nicht länger nach Marlboro-Country oder anderswohin ins Ausland fließen, sondern hierzulande ausgegeben werden.

Die Tabaksteuererhöhung setzt ein Zeichen gesundheitspolitischer- und volkswirtschaftlicher Vernunft. Sie war längst überfällig. Nur dass sie in drei Stufen kommen soll, dient sicher nicht dem Gesundheitsschutz. Zudem hätte sie höher ausfallen müssen. Denn die volkswirtschaftlichen Schäden des Rauchens belaufen sich auf 52 Milliarden Euro im Jahr: 13 Milliarden sind Krankheitskosten, 39 Milliarden Euro kostet die vernichtete Lebenserwartung. Die zukünftigen Tabaksteuereinnahmen schätzt das Finanzministerium hingegen auf nur 16 Milliarden Euro.

Gleichwohl ist die erhöhte Tabaksteuer ein Schritt in die richtige Richtung, bei dem alle nur gewinnen: der Staat, der von denen, die es nicht lassen können, Mehreinnahmen einstreicht. Die gesünderen Exraucher und Expassivraucher. Und schließlich die Kinder und Jugendlichen, die gar nicht erst zum Glimmstengel greifen.