Porträt Hier kommt die SonneSeite 2/2

Der eigenen Phänomenalität steht Lang Lang pragmatisch gegenüber. Mozart wartet, nur zum Beispiel. Beethoven bleibt eine Herausforderung, Haydn liegt seiner Intelligenz und seinem Formwillen, Brahms scheint ein Herzensanliegen (wie man hören kann auf einer frühen Einspielung des Intermezzos, Opus 118, erschienen bei Telarc). Lang Lang hätte Zeit, hoffentlich hat er sie. Auch „magische Kräfte“, wie sie ihm Tan Dun bescheinigt, brauchen sich auf. Ein bleibend zauberischer Moment ist immer wieder das „Pferderennen“. Lang Lang holt dazu seinen Vater auf die Bühne, und dann jagen der Alte und der Junge einander: der eine auf der zweisaitigen chinesischen Kniegeige, der andere am Klavier. Ein Lehr- und Lernstück über Stock und Stein, und die Botschaft ist klar: Für fünf Minuten wenigstens sind Osten und Westen märchenhaft eins.

 
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