Galapagos Streichelzoo der SchöpfungSeite 4/4

Für fast alles, was wir auf unseren Streifzügen unternahmen, würden wir heute umgehend arretiert: Wir kochten Schildkröten, sezierten Leguane, knüppelten Falken vom Ansitz und fingen Finken mit dem Hut. Mittlerweile wird der Besucherverkehr streng reguliert. Denn die größte Gefahr für die Galápagos bilden die eingeschleppten Menschen. Wobei die Touristen sich heutzutage weitgehend zu benehmen wissen. Mehr zu schaffen macht den Inseln der Zustrom neuer Siedler, darunter arme Teufel aus dem Hochland, die nicht einmal schwimmen können. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Bevölkerung verdoppelt und mit ihr verdoppelten sich Müll, Abwasser, Verkehr und Landverbrauch. Auch die Fischer machen uns zunehmend Ärger. Vor den Risiken durch eingeführte Nahrungskonkurrenten, Raubtiere und Krankheiten schließlich habe ich damals schon gewarnt. Und die verheerende Gefräßigkeit von Ziegen, Hunden, Ratten & Co. hat meine Befürchtungen bestätigt. Nicht von ungefähr las ich damals auf der Beagle Miltons Paradise Lost.

Der Tourismus ließ die Galápagos zu Ecuadors neuem Eldorado werden. Bis dahin bildeten sie höchstens ein Paradies für Misanthropen und zogen bevorzugt schräge Vögel an, Aussteiger, Desperados und frohgemute Pioniere. Ob Menschenschinder oder Weltverbesserer, je inbrünstiger sie zu Werke gingen, desto schmählicher scheiterten sie. Die Namen ihrer Kolonien – Progreso, Esperanza oder Asilo de Paz – klingen da wie Hohn. Galápagos, das war keine Verheißung, sondern ein Verdikt.

Am längsten hatten noch die Gefängnisse Bestand. Isabela etwa diente bis 1959 als Strafkolonie. Davon zeugt die monumentale »Mauer der Tränen«, eine unvollendete Bau- und vor allem Strafmaßnahme. Dieser Albtraum aus schwarzen Lavabrocken ragt mitten in idyllischem Buschland auf – ein Sinnbild der Sinnlosigkeit. Mit etwas Glück begegnen Sie hier dem alten Don Jacinto, dem früheren Gefängnispfarrer, einem echten, zähen Insulaner, einem Rebellen und Pionier. Nachdem er auf endlosen Strandwanderungen mit sich, Gott und der Welt gehadert hatte, brach der ehemalige Franziskaner mit der Kirche und heiratete eine Einheimische.

Im selben Jahr, 1959, als die Strafkolonie aufgelöst wurde, erklärte Ecuador die Galápagos zum Nationalpark. Äußerer Anlass war das 100-jährige Jubiläum des Erscheinens meines Hauptwerks. Wenig später sattelte Don Jacinto um und wurde zu einem der ersten und eifrigsten Mitarbeiter der Forschungsstation. Niemand verkörpert besser als er diese erstaunliche Evolution der Galápagos: vom Niemandsland zum Naturheiligtum und von der Strafkolonie zum Streichelzoo der Schöpfung.

Information

Anreise: Zum Beispiel mit Iberia oder KLM nach Quito, derzeit ab 800 bis 850 Euro. Von Quito und Guayaquil aus fliegt TAME mehrmals täglich für 390 US-Dollar auf die Galápagos-Inseln

Unterkunft: Auf Santa Cruz das idyllische, freilich etwas überteuerte Red Mangrove in Puerto Ayora, Tel. 00593-5/527011, www.redmangrove.com (Doppelzimmer ab 100 US-Dollar). Auf Isabela die mediterran anmutende Casa de Marita in Puerto Villamil, Tel. 00593-5/529238, www.galapagosisabela.com (Doppelzimmer ab 70 US-Dollar). Bei einem Zwischenaufenthalt in Quito das Hotel Mercure Alameda, Roca 653 y Av. Amazonas, Tel. 00593-2/2562345, www.mercure.com (Doppelzimmer um 90 US-Dollar)

Veranstalter: Das kleine Schweizer Unternehmen Tucán Travel ist seit 15 Jahren auf Ecuador und die Galápagos-Inseln spezialisiert und unterhält auch eine eigene Filiale in Quito. Bahnhofplatz 1, CH-8001 Zürich, Tel. 0041-1/2111616, info@tucan.ch

Studienreisen nach Ecuador/Galápagos unter anderem von Windrose, Neue Grünstraße 28, 10179 Berlin, Tel. 030/2017210, www.windrose.de: 19 Tage »Galápagos Spezial«, davon 15 Tage Kreuzfahrt, Grundpreis inklusive Flug, Verpflegung, Reiseleitung 4995 Euro. Nächster Termin: 31. Juli bis 18. August (Saisonzuschlag 220 Euro)

Literatur: Charles Darwin: »Sind Affen Rechtshänder?«. Aus den Notizbüchern; Friedenauer Presse, Berlin 1998; 192 S., 19,50 Euro. Wolfgang Bittmann/Brigitte Fugger: Reiseführer Natur »Galápagos«. BLV Verlag, München 2002; 159 S., 15,95 Euro

Auskunft: Botschaft der Republik Ecuador, Kaiser-Friedrich-Straße 90, 10585 Berlin, Tel. 030/2386217, kanzlei@botschaft-ecuador.org , www.botschaft-ecuador.org

 
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