Es war wohl die größte Peinlichkeit in der an Flops nicht armen Geschichte der Nasa: Das sündhaft teure Weltraumteleskop, das im April 1990 in die Erdumlaufbahn geschossen wurde, lieferte nur verschwommene Bilder. Dabei war der 2,40 Meter große Spiegel des Teleskops mit unvorstellbarer Präzision geschliffen worden – allerdings nach einer fehlerhaften Vorschrift. Der Spott über das fehlsichtige Weltraumauge war groß.

Inzwischen ist aus diesem Treppenwitz der Raumfahrtgeschichte eine der größten Erfolgsstorys geworden. Seit dem Hubble- Weltraumteleskop vor zehn Jahren sozusagen eine Brille aufgesetzt wurde, hat das fliegende Fernrohr nicht nur wunderbare Bilder aus den Tiefen des Alls geliefert, sondern auch dazu beigetragen, dass unser Bild vom Weltall sich heute sehr von dem der Vor- Hubble- Zeit unterscheidet.

Der Grund dafür, ein Teleskop ins Weltall zu schießen, ist die Erdatmosphäre, die uns den klaren Blick in den Himmel verschleiert. Dass die Sterne funkeln, mag romantische Nächte versüßen – für Astronomen ist es ein Ärgernis. Und dass die Atmosphäre große Teile des ultravioletten Lichts herausfiltert, ist gut für unsere Haut, schränkt aber die astronomische Beobachtung ein. Mit dem Hubble- Teleskop haben die Astronomen ein Werkzeug, das schärfer sieht und empfindlicher ist als jedes irdische Fernrohr. Daher war seine wichtigste Aufgabe, möglichst tief ins All zu schauen. Denn der Blick in die Ferne ist gleichzeitig ein Blick in die Vergangenheit, in die Zeit, als die ersten Galaxien und Sterne gebildet wurden.

Trotz dieser Vorteile war das Weltraumteleskop bei den Astronomen nicht unumstritten. Manche waren überzeugt, mit dem vielen Geld hätte man auf der Erde mehr anfangen können. Irdische Teleskope haben größere Spiegel, und mit Computerunterstützung lassen sich inzwischen auch deren Aufnahmen schärfen. Als Hubble anfangs fehlsichtig um die Erde kreiste, gab es unverhohlene Schadenfreude in der Szene. Mit der Reparatur setzte die Nasa alles auf eine Karte – und gewann. Heute wird das Hubble- Teleskop (benannt nach dem Astronomen Edwin Hubble, der 1929 als Erster nachwies, dass sich das Universum ausdehnt) von Teams aus aller Welt genutzt. Weil die Zeit begrenzt ist, wird das Weltraumauge oft eingesetzt, einen genaueren Blick auf Phänomene zu werfen, die mit anderen Teleskopen entdeckt worden sind.

Die wissenschaftliche Vorstellung vom All hat sich in den vergangenen Jahren entscheidend verändert. Mittlerweile wissen wir, dass die sichtbaren Sterne und Planeten nur einen Bruchteil der Masse des Universums darstellen – der Rest ist "dunkle Materie", deren Natur zwar weitgehend unklar ist, mit der die Astronomen aber inzwischen ganz selbstverständlich rechnen. Wir wissen auch, dass die Erde und die anderen acht Planeten des Sonnensystems keine kosmischen Einzelfälle sind – andere Sonnen werden ebenfalls von Wandelsternen umkreist, auch wenn wir nicht wissen, ob es auf diesen Planeten Leben gibt, von intelligentem ganz zu schweigen.

Keine dieser astronomischen Erkenntnisse ist allein auf das Hubble- Teleskop zurückzuführen, aber an fast allen ist es beteiligt gewesen. Der wissenschaftliche Direktor des Space Telescope Science Institute im amerikanischen Baltimore, Mario Livio, hat für die ZEIT die wichtigsten Ergebnisse des Hubble- Teleskops zusammengestellt – eine subjektive und selbstverständlich auch parteiische "Hubble- Top-Ten":

1. Das beschleunigte Universum