Zur Nonnenbekämpfung empfiehlt sich Btk. Der Bacillus thuringensis kurstakii zerstört ihr Verdauungsorgan, nimmt ihr den Appetit und lässt sie nach zwei bis drei Tagen elendig verenden. Und das ist auch gut so. Denn im Wald entpuppt sich die Nonne als Scheinheilige, sie ist ein Biest, nachtaktiv und fortpflanzungswütig und ungeheuer gefräßig. Bis zu acht Gramm Kiefernnadeln vertilgt sie täglich. Der Förster sagt: "Die Nonne ist der größte Feind der Kiefer", und er blickt zu den Baumkronen, wobei sich sein grüner Hut ein wenig über die kummerfaltige Stirn schiebt. Man kann die Sorgen von Förster Sebastian Kottwitz besser verstehen, wenn man weiß, dass Brandenburg das Land der Kiefern und die Nonne eine Raupe ist, die mit ihren Schwestern schon in wenigen Jahren Tausende von Hektar Wald kahl fressen könnte. Gott sei Dank gibt es Btk!

Es war eine schöne Idee von Sabine Zuckmantel, die dieses Wanderreiten durchs brandenburgische Havelland veranstaltet, den Förster als Begleiter einzuladen. So besteht nicht die Gefahr, ständig stumm ins Grün zu blicken oder pausenlos über Pferde zu fachsimpeln – obwohl beides reizvoll ist und es zu beidem einiges zu sagen gibt. Die Pferde zum Beispiel. Natürlich reiten wir nicht auf banalen Belgiern, die zu den Kaltblütern zählen, sondern auf Berbern, die unter den Pferden so etwas sind wie die Kenianer unter den Marathonläufern: elegant, schnell und vor allem sehr ausdauernd. Man muss in Daisy also eine Ausnahme sehen, die kleine Berberstute ist nicht minder gefräßig als eine Nonne, und ihre tragische Veranlagung hat ihr eine barocke Figur beschert. Sie schafft es im Vorbeigehen, den Hals stoisch nach links oder rechts zu recken, das Maul zu öffnen und einen vollen Bissen von den herunterhängenden Buchenzweigen zu nehmen. In solchen Sekunden legt sich ein Hauch von Argwohn auf das Gesicht ihres Reiters, Herrn B.

Napoleon hat auch keine Stuten geritten. Stuten sind oft zickig

Herr B. ist in großen Kavalleriestiefeln aus Berlin angereist. Außer ihm reitet Frau S. mit, eine Wilmersdorfer Kindergärtnerin mit Fistelstimme, sowie Herr J., ein Schweizer. Sabine Zuckmantel hat die Pferde nach reiterlichem Können zugeteilt und ihr Versprechen gehalten, das sie dem Hamburger ein paar Tage zuvor am Telefon gegeben hat.

Sabine Zuckmantel: "Unsere Pferde sind Berber, alles Stuten." (Kurzes Schweigen am anderen Ende der Leitung)

Der Hamburger: "Ich habe noch nie eine Stute geritten und gedenke es auch künftig nicht zu tun."

Sabine Zuckmantel: "Menschen sind unterschiedlich. Ich gebe Ihnen Abu, einen jungen Wallach. Ehrenwort!"

Der Hamburger: "Napoleon hat auch keine Stuten geritten. Denken Sie an Marengo, seinen Schimmel. Stuten sind doch oft sehr zickig."