Ich beiße mich durch
Was tun, wenn nach der Uni der Arbeitsmarkt dicht ist? Ein Gespräch mit krisenerfahrenen Hochschulabsolventen aus drei Jahrzehnten über den Frust, die Hoffnung und das Glück
Sabine Deutscher, 28, schrieb über 100 Bewerbungen - ohne Erfolg. Bettina Lommel, 38, weiß aus eigener Erfahrung, dass sich Durchhalten bei der Stellensuche auszahlt. Günther Dunz-Wolff, 51, studierte in die "Lehrerschwemme" hinein. Er machte sich selbstständig
die zeit: Frau Deutscher, Sie haben Kulturwirtschaft in Passau studiert und im November letzten Jahres Examen gemacht. Seitdem suchen Sie eine Stelle. Bisher haben Sie über 100 Bewerbungen geschrieben – ohne Erfolg. Hätten Sie sich das während des Studiums vorstellen können?
Sabine Deutscher: Nein, ich war vollkommen sicher, dass mir das nicht passiert. Ich habe schließlich gute Noten und jede Menge Praktika, eins davon habe ich beim Otto-Konzern in Hongkong gemacht, zwei weitere bei Unilever, wo ich auch meine Diplomarbeit geschrieben habe. Zusätzlich habe ich in Frankreich BWL studiert, ebenfalls mit Diplom-Abschluss. Am Anfang dachte ich: Es stimmt nicht, was ich gerade erlebe, es kann einfach nicht sein.
Bettina Lommel: Ich kenne das: Mich nicht! Mich wird’s nicht treffen! Nicht mich, ich bin doch gut! Ich bin Physikerin und habe damals…
zeit: das war Mitte der Neunziger
Lommel: …über 100 Bewerbungen geschrieben, genau wie Sie. Ich habe es noch vor Augen: Man kommt nach Hause und kann schon am Briefkastenschlitz erkennen, wenn es wieder nicht geklappt hat…
Deutscher: …weil bei Absagen immer die Mappe dabei ist, und bei ein, zwei Mappen steht der Briefkastendeckel offen.
- Datum 26.06.2003 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 26.06.2003 Nr.27
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