Mehr Vitamine für die Armen
Gentechnik hilft den Entwicklungsländern, kann aber politische Fehler nicht ausgleichen - ein Interview von Joachim von Braun
Die Zeit: In den Entwicklungsländern hungern mehr als 800 Millionen Menschen. Kann ihnen die Gentechnik helfen?
Joachim Von Braun: Langfristig ja. Aber bis die Gentechnik so weit ist, muss den Hungernden und den armen Kleinbauern vor allem anderweitig geholfen werden.
Zeit: Nämlich wie?
Von Braun: Ein erheblicher Teil des Massenhungers wird durch politische Krisen und Konflikte ausgelöst. Die wiederum hängen meist mit Armut zusammen. Hunger ist Teil des Armutsproblems. Die Agrarpolitik vieler Entwicklungsländer missachtet aber die Interessen der armen Kleinbauern. Sie investiert zu wenig in den ländlichen Raum, in gutes Saatgut, in Dünger, Wasser und verbesserte Marktchancen. Nicht fehlende Gentechnik, falsche Politik verursacht gegenwärtig den Hunger.
Zeit: Auch die Politik der USA und der EU?
Von Braun: Leider ja. Die Subventions- und Agrarhandelspolitik der meisten OECD-Länder beraubt die Entwicklungsländer ihrer Marktchancen – insbesondere dort, wo auch Kleinbauern Chancen hätten: bei der Produktion von Baumwolle, Zucker, Reis und auch Milch. Auf den asiatischen Märkten konkurriert zum Beispiel indische Milch mit subventionierten Exporten aus Europa. Das nimmt den indischen Bauern Chancen.
Zeit: Die EU-Agrarreform…
- Datum 03.07.2003 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 03.07.2003 Nr.28
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