Sommerseminar 2003 Nichts für ErbsenzählerSeite 3/3

Linsensuppen gehören an die erste Stelle beim Wettkampf um die Sympathie des Hobbykochs. Welche Möglichkeiten bringen sie mit, welche Freude bereiten sie dem Esser! Zunächst einmal lassen sie alles mit sich geschehen, was man auch einer Erbsensuppe zumuten kann. Zusätzlich reagieren sie auf eine Essigbeigabe äußerst dankbar. Aber bitte keinen Schwabenessig! Eine bessere Qualität verdienen sie allemal. Sie sträuben sich aber auch nicht, wenn ich sehr klein gehackte Gewürzgurken untermische, wenn Zitronengras mitgekocht wird oder wenn ich ihnen als Beilage gebratene Wachtelbeine verordne.

Vor allem aber gefällt es einer Linsensuppe, wenn man sie mit Sahne püriert. Mir gefällt das auch. Denn da habe ich wieder eine neue Ausgangsbasis, einen weiteren Spielplatz für meine Küchenfantasie. Eine abschließende Zutat für eine pürierte Linsensuppe ist zunächst (weil unfehlbar lecker) zerbröselter Ziegen- oder Schafskäse. Er wird in die leeren Teller gelegt und mit der Suppe übergossen. Auch sollte der »Faden« Olivenöl nicht fehlen, der über die heiße Suppe gezogen wird. Eine gewürfelte und leicht gebratene Leber vom Kaninchen oder von der Ente ist eine andere Möglichkeit, diese bürgerliche Suppe in eine kleine Extravaganz zu verwandeln. Und dann gibt es noch den…

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Aber wie bei einem Krimi soll man die spannende Lösung nicht vorher verraten. Denn was man noch mit einer Linsensuppe anstellen kann, sollte jeder selber entdecken. Angesichts der fast fertigen Suppe fällt jedem, der nicht geradewegs von der Tütensuppenfraktion übergelaufen ist, ein zusätzlicher Gag ein. Aber was es auch ist, es sollte gewürfelt werden! Eine ganze Garnele sieht zwar nach viel aus, ist aber nicht sehr elegant zu handhaben. Also in Stücke schneiden. Das gilt auch für Fleischeinlagen wie Kalbsbries, welches zuerst gewürfelt und dann gebraten wird, bevor es zu den Linsen darf. Bei roten Linsen (die genauso gekocht werden wie grüne, nur weniger lange) machen sich geröstete Blutwurstwürfel sehr gut. Selbstverständlich werden sie in der Pfanne extra gewürzt.

Bei dieser Gelegenheit sollte man sich die spannenden Gegensätze der Gewürze zunutze machen. Also die Linsen kräftig pfeffern, die Blutwurst aber sanft behandeln, oder umgekehrt: sanfte Linsen, scharfe Wurst. Diese Maxime sollte für alle Suppen gelten. Wenn sich die Einlage nicht deutlich von der Suppe unterscheidet, ist sie überflüssig.

Was den passenden Wein angeht, so braucht es keine spezielle Empfehlung. Ich trinke dazu, worauf ich Lust habe: weiß, rot, trocken, halbtrocken oder süß.

 
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  • Serie Sommerseminar 2003
  • Quelle (c) DIE ZEIT 03.07.2003 Nr.28
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  • Schlagworte Wolfram Siebeck | Wirtschaftspolitik | Wasser
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